SPICASA Outdoor Sektor - Bushcraft und Survival Skills

Outdoor & Bushcraft Skills

Die Wildnis ist kein feindlicher Ort – sie ist ein neutraler Raum, der nach seinen eigenen Gesetzen funktioniert. Wer diese Gesetze kennt, überlebt nicht nur, er lebt dort. Wahre Krisenvorsorge endet nicht an der Haustür. Sie beginnt dort, wo die Infrastruktur aufhört.

Hier lernst du die fundamentalen Fähigkeiten, um ohne Strom, fließendes Wasser und Supermarkt zu bestehen. Klicke auf die Themen, um detaillierte Anleitungen zu erhalten. Das erste Thema ist bereits aufgeklappt.

Shelter Icon

1. Der sichere Unterschlupf (Shelterbau)

Technischer Bauplan: A-Frame Shelter Konstruktion
Warum ist ein Shelter die oberste Priorität? Die "Rule of 3" besagt: Du kannst 3 Minuten ohne Luft überleben, 3 Stunden ohne Schutz (bei Extrembedingungen), 3 Tage ohne Wasser und 3 Wochen ohne Nahrung. Ein Shelter steht noch vor Wasser – denn Unterkühlung (Hypothermie) tötet schneller als Hunger oder Durst. Selbst im Sommer können Nachttemperaturen auf 5-10°C fallen. Mit Regen, Wind und nasser Kleidung verliert dein Körper rapide Wärme. Ein guter Shelter hält Wind, Regen und vor allem Bodenkälte ab.
Der richtige Standort – 5 Auswahlkriterien 1. Flacher, leicht erhöhter Boden: Meide Senken (Kältesee, Wasseransammlung). Leicht erhöht = trocken, aber nicht auf Bergkuppen (Wind!).
2. Keine "Witwenmacher": Schaue nach oben – tote Äste in Bäumen können bei Wind herabfallen.
3. Windschutz nutzen: Dichtes Gebüsch oder Felsblock als natürliche Barriere spart Energie.
4. Abstand zu Gewässern: 20-50m ideal (nicht zu nah = Hochwasser/Insekten, nicht zu weit = mühsames Wasserholen).
5. Meide Wildwechsel: Ausgetretene Tierpfade = Begegnungen mit Wildschweinen/Hirschen nachts.
Shelter-Typen im Vergleich A-Frame mit Tarp (modern):
• Spanne Paracord zwischen zwei Bäumen (1,5m Höhe)
• Lege Tarp darüber (A-Form), befestige Ecken mit Heringen
• Aufbauzeit: 5-10 Minuten, wasserdicht
• Nachteil: Braucht Ausrüstung

A-Frame aus Naturmaterialien:
• Errichte Firstbalken zwischen zwei Baumgabeln (1m Höhe)
• Lehne Äste schräg an (45°), eng nebeneinander
• Decke mit Zweigen ab, dann mind. 30cm dickes Laub (Isolierung!)
• Innen: Dicke Laubschicht als Matratze (Bodenisolierung)
• Aufbauzeit: 2-4 Stunden
• Vorteil: Komplett ohne Ausrüstung

Lean-To (Schrägdach):
• Schräge Wand gegen den Wind
• Schneller Aufbau (1-2h), gute Belüftung
• Nachteil: Nur gegen eine Windrichtung geschützt
• Profi-Tipp: Feuer vor der offenen Seite (2m Abstand) = Wärme wird reflektiert

Debris Hut (Extremkälte):
• Niedriges, enges A-Frame (körpergroß)
• 60-80cm dickes Laub/Moos (massive Isolierung)
• Körperwärme heizt winzigen Innenraum = warm bei -10°C ohne Schlafsack
• Nachteil: Beengend, 4-6h Bauzeit
Häufige Anfänger-Fehler Zu groß bauen: Großer Shelter = schwerer zu heizen, mehr Material/Zeit. Baue nur so groß wie nötig.
Direkt auf dem Boden schlafen: Der Boden entzieht mehr Wärme als Luft! Mind. 20cm Isolationsschicht (Laub/Isomatte) unter dir.
Zu nah am Feuer: Funken entzünden ein Laub-Dach. Min. 2-3m Abstand.
Eingang gegen den Wind: Der Wind bläst direkt rein. Eingang windabgewandt (Lee-Seite).
Kein Testlauf: Baue 2-3h vor der Dunkelheit. Nachts ohne Licht bauen bedeutet Chaos.
Benötigte Materialien Mit Ausrüstung: Tarp (3x3m), Paracord (15-20m), Heringe (6-8), Optional: Biwaksack
Ohne Ausrüstung: Langer Ast (Firstbalken, 3-4m), 20-30 schräge Äste (2-3m), Kleinere Zweige, Massive Mengen Laub/Moos, Optional: Rinde (Regenschutz)
Werkzeuge: Messer/Säge, Handschuhe
Zeitaufwand (Realistisch) • Tarp-Shelter: 10-20 Minuten (mit Übung: 5 Minuten)
• Einfaches Lean-To: 1-2 Stunden
• A-Frame (Natur): 2-4 Stunden
• Debris Hut: 4-6 Stunden
Faustregel: Beginne spätestens 3-4h vor Sonnenuntergang.
Feuer Icon

2. Feuer machen unter widrigen Bedingungen

Schematische Darstellung: Feuer machen bei Nässe
Warum Feuer überlebenswichtig ist Feuer ist mehr als Wärme: Es kocht Wasser (tötet Bakterien), trocknet Kleidung (verhindert Unterkühlung), bietet Licht (psychologischer Trost in der Dunkelheit), hält Tiere fern und ermöglicht Signalgebung (Rauch am Tag). Wer bei Nässe kein Feuer anbekommt, riskiert Hypothermie – selbst im Sommer.
Die 3 Säulen des Feuers Feuer braucht drei Dinge: Sauerstoff, Brennstoff, Hitze (Feuerdreieck). Fehlt eines = kein Feuer.

1. Zunder (feinste Stufe):
• Birkenrinde (brennt auch nass – ätherische Öle!)
• Kienspan (verharztes Kiefernholz – findet man an abgestorbenen Ästen)
• Distelsamen, trockenes Gras
Profi-Tipp: Wattepads mit Vaseline (zu Hause vorbereiten, im Zipbeutel lagern = sicherster Anzünder)
• Bei Nässe: Suche unter Felsen, in hohlen Baumstämmen (dort bleibt Material trocken)

2. Anzündholz (Bleistift- bis fingerdicke Zweige):
• Sammle abgebrochene, tote Äste die noch am Baum hängen (nicht vom Boden – dort ist es nass!)
• Teste: Ast muss knacken beim Brechen, nicht biegen (= trocken)
• Bei Regen: Spalte dickere Äste – Inneres ist meistens trocken

3. Brennholz (armdicke Scheite):
• Totholz von Nadelbäumen (Fichte, Kiefer) = harzreich, brennt heiß
• Hartholz (Buche, Eiche) = lang anhaltende Glut (ideal für Kochen)
• Grobe Regel: "Ein Feuer frisst sein eigenes Gewicht pro Stunde" (genug sammeln!)
Feuer-Aufbau-Methoden Tipi (Schnelle Flamme):
• Lehne Anzündholz kegelförmig gegeneinander (wie ein Tipi-Zelt)
• Zunder in die Mitte legen
• Vorteil: Schnell, heiß | Nachteil: Brennt schnell ab

Log Cabin (Langanhaltendes Feuer):
• Baue eine "Blockhütte" aus Holz (kreuzweise stapeln)
• Zunder + Anzündholz in der Mitte legen
• Vorteil: Stabil, lange Brenndauer | Nachteil: Braucht mehr Material

Pyramide (Allrounder):
• Lege große Scheite als Basis, darauf kleinere, oben Anzündholz
• Zünde den Stapel von oben an (Flamme arbeitet sich nach unten)
• Vorteil: Ausgewogene Hitze
Zündmethoden (ohne Feuerzeug) Feuerstahl (Ferro Rod):
• Schabe mit dem Messerrücken schnell und fest über den Stahl
• Funken haben 3000°C – müssen auf den Zunder treffen
• Funktioniert auch nass!
• Tipp: Halte den Feuerstahl nah an den Zunder (5-10cm), nicht schräg sondern parallel

Lupe/Brille:
• Bündle Sonnenlicht auf dunklen Zunder (schwarzes Tuch, verkohltes Holz)
• Fokuspunkt muss stecknadelkopfgroß sein
• Raucht es? → Sanft pusten (nicht zu stark!)
• Nur bei klarem Sonnenschein möglich

Bow-Drill (Feuerbohrer – extrem schwierig!):
• Braucht: Spindel (gerader Stock), Bogen (gebogener Ast + Schnur), Holzbrett, Druckstein
• Drehe die Spindel durch eine Bogenbewegung → Reibungshitze entsteht
• Realität: Ohne Training fast unmöglich. Braucht trockenes Holz, Kraft, Technik
Nicht darauf verlassen! Immer Feuerzeug/Feuerstahl mitführen.
Feuer bei Nässe/Regen Strategie:
1. Baue eine trockene Basis: Lege große Äste kreuzweise auf den nassen Boden (Plattform)
2. Sammle Anzündholz von hängenden toten Ästen (nicht vom Boden!)
3. Spalte dickere Äste – der Kern ist oft trocken
4. Schütze die Flamme: Baue einen Windschutz aus Steinen oder nutze deinen Körper
5. Starte klein: Große nasse Scheite ersticken junge Flammen. Erst eine kleine Flamme, dann größer werden lassen

Not-Tipp: Desinfektionsgel (Ethanol-basiert) aus Erste-Hilfe-Set kann als Brandbeschleuniger dienen – aber sparsam nutzen!
Sicherheit • Feuer auf nicht brennbarem Untergrund (Sand, Steine)
• Steinkreis verhindert Ausbreitung
• Mind. 2m Abstand zu Shelter/Ausrüstung
• Wasser oder Sand zum Löschen bereithalten
• Beim Verlassen: Komplett löschen (mit Wasser übergießen, umrühren, nochmal Wasser drüber) – Waldbrandgefahr!
• In Deutschland: Offenes Feuer ist im Wald verboten (außer im Notfall). Nutze ausgewiesene Feuerstellen.
Häufige Fehler ❌ Zu früh große Scheite auflegen (erstickt die Flamme)
❌ Zu stark pusten (bläst die Glut weg)
❌ Nasses Holz vom Boden sammeln
❌ Zu wenig Zunder (Flamme erlischt sofort)
❌ Kein Backup (verlasse dich nie auf EINE Zündmethode)
Wasser Icon

3. Wasseraufbereitung in der Natur

Bauplan: Wasserfilterung und Reinigung
Warum klares Wasser nicht sicher ist Ein klarer Bergbach sieht sauber aus – kann aber tödliche Bakterien (E. coli, Salmonellen), Protozoen (Giardia = "Beaver Fever", verursacht tagelangen blutigen Durchfall) oder Viren enthalten. Niemals Wasser roh trinken, egal wie klar es aussieht. Durchfall in der Wildnis = Dehydrierung = Tod innerhalb von Tagen.
Die 3 Stufen der Wasseraufbereitung 1. Mechanische Filterung (entfernt Schwebstoffe + Bakterien):
Mit Ausrüstung:
• Sawyer Mini / LifeStraw (0,1 Mikron Filter – entfernt 99,9% Bakterien/Protozoen)
• Grayl Geopress (Druckfilter – auch trübes Wasser)
• Katadyn (robuste Pumpenfilter)
Wichtig: Filter entfernen KEINE Viren (in Europa aber selten ein Problem) und KEINE Chemikalien

Ohne Ausrüstung (Improvisation):
• Gieße Wasser durch ein T-Shirt oder Tuch (entfernt grobe Partikel)
• Baue einen Schicht-Filter: Flasche/Gefäß mit einem Loch im Boden, schichte von unten nach oben: Steine → Kies → Sand → Kohle (aus Lagerfeuer) → Sand -> Tuch über Flaschenhals
Achtung: Dies entfernt NUR Schwebstoffe, KEINE Bakterien! Danach zwingend abkochen.

2. Abkochen (sicherste Methode – tötet ALLES):
• Bringe Wasser zum sprudelnden Kochen
• Koche mind. 1 Minute (in Höhenlagen >2000m: 3 Minuten)
• Tötet: Bakterien, Viren, Protozoen, Parasiten
• Nachteil: Braucht Feuer, Gefäß, Zeit, Brennstoff
• Vorteil: 100% sicher (wenn es richtig gemacht wird)

3. Chemische Desinfektion (praktisch, aber Wartezeit):
• Wasserentkeimungstabletten: 1 Tablette/Liter, 30 Minuten warten
• Tötet Bakterien, Viren (nicht alle Protozoen!)
• Nachteil: Schmeckt nach Chlor, entfernt keinen Dreck (erst filtern!)
• Vorteil: Kein Feuer nötig, leicht zu transportieren

UV-Licht (SteriPen):
• Batteriebetriebenes UV-Gerät ins Wasser halten (60 Sekunden)
• Tötet Keime durch UV-Strahlung
• Nachteil: Braucht Batterien, funktioniert nur bei klarem Wasser
Wasserquellen finden Beste Quellen (absteigend):
1. Quellen: Wasser tritt direkt aus dem Fels/Boden = meist sehr sauber (aber trotzdem filtern!)
2. Fließende Bäche/Flüsse: Besser als stehendes Wasser (Selbstreinigung durch Bewegung). Nimm Wasser oberhalb von Siedlungen!
3. Regenwasser: Auffangen mit Plane/Gefäß = relativ sauber, aber kann Schmutz von Oberflächen enthalten
4. Tau sammeln: Morgens mit Tuch über Gras wischen und auswringen. Aufwendig, aber sehr sauberes Wasser.
5. Pflanzenwasser: Birkensaft (Frühjahr – Baum anzapfen, 1L/Tag möglich), Wasser aus Weinreben

Meide:
❌ Stehende Tümpel (Parasiten, Algen, totes Wasser)
❌ Wasser unterhalb von Weiden (Tierkot = E. coli)
❌ Wasser in Gebieten mit toten Tieren (Kadaver vergiftet Wasser)
❌ Brackwasser (Salz-/Süßwasser-Mix) – nicht trinkbar
Notfall-Destillation (Salzwasser / kontaminiertes Wasser) Solar-Still (Erdloch-Destillation):
1. Grabe ein Loch (50cm tief, 1m breit)
2. Stelle Auffangbehälter in die Mitte
3. Gieße kontaminiertes Wasser um den Behälter (nicht rein!)
4. Spanne Plastikfolie über das Loch, beschwere die Ränder mit Steinen
5. Lege einen kleinen Stein in die Mitte der Folie (Trichter-Form)
6. Sonne erwärmt das Wasser → es verdunstet → es kondensiert an der Folie → es tropft in den Behälter
• Liefert ca. 0,5-1L/Tag (sehr wenig!)
• Funktioniert auch mit Urin (Not-Option!)
• Braucht: Plastikfolie, Sonne, Zeit

Destillation über Feuer:
• Zwei Gefäße: Eines mit schmutzigem Wasser über dem Feuer, zweites zum Abkühlen daneben
• Verbinde beide mit einem Schlauch/Rohr
• Dampf kondensiert im kühlen Gefäß = sauberes Wasser landet im Auffangbehälter
• Kompliziert, aber es funktioniert
Wie viel Wasser brauchst du? Minimum (Ruhe, Schatten): 2 Liter/Tag
Aktiv (Wandern, Arbeit): 3-4 Liter/Tag
Hitze/Anstrengung: 5-6 Liter/Tag
Dehydrierung-Warnsignale: Dunkler Urin, Kopfschmerzen, Schwindel, trockener Mund
Faustregel: Urin sollte hellgelb sein (klar = zu viel, dunkel = zu wenig)
Häufige Fehler ❌ "Sieht doch klar aus" – Bakterien sind unsichtbar!
❌ Zu kurz abkochen (nur 10 Sekunden) – tötet nicht alle Keime
❌ Filter nicht gereinigt (verstopft → nutzlos)
❌ Tabletten nicht lange genug wirken lassen
❌ Keine Wasser-Redundanz (nur eine Methode dabei = riskant)
Navigation Icon

4. Orientierung ohne GPS

Navigation ohne Technik: Kompass und Sternenhimmel
Warum analoge Navigation überlebenswichtig ist GPS funktioniert nur mit Satelliten, Strom und funktionierendem Handy. Akkus sterben, Geräte gehen kaputt, Satelliten können ausfallen (Sonnensturm, militärische Störung). Ein Kompass und die Fähigkeit, die Natur zu lesen, bleiben immer. Sich zu verlaufen bedeutet: Verschwendung von Energie, Wasser, Zeit – und im schlimmsten Fall den Tod durch Erschöpfung oder Unterkühlung.
Kompass richtig nutzen Grundlagen:
• Die rote Nadel zeigt IMMER nach magnetisch Nord (nicht geografisch Nord – Abweichung "Deklination" beachten!)
• Drehbarer Ring mit 360°-Einteilung: 0/360° = Nord, 90° = Ost, 180° = Süd, 270° = West

Schritt-für-Schritt: Peilung nehmen
1. Karte einnorden: Lege den Kompass auf eine Karte, drehe die Karte bis die Nordlinien parallel zur Kompassnadel sind
2. Ziel anpeilen: Richte den Kompass auf dein Ziel (z.B. Berggipfel, Funkturm)
3. Grad ablesen: Drehe den Ring bis die Nordlinie unter der roten Nadel liegt → lies die Gradzahl ab (z.B. 135° = Süd-Ost)
4. Marschieren: Halte diese Gradzahl, schaue immer wieder auf den Kompass
5. Zwischenziele nutzen: Peile einen markanten Baum/Fels in deiner Richtung an, gehe dorthin, dann nächstes Zwischenziel anpeilen

Rückweg finden:
• Notiere deine Ausgangs-Peilung (z.B. 135°)
• Rückweg = 180° addieren/subtrahieren (135° + 180° = 315°)
• Oder: Drehe dich um 180°, folge der entgegengesetzten Richtung
Karten lesen – Die Kunst der Höhenlinien Was sind Höhenlinien?
• Braune Linien auf topografischen Karten verbinden Punkte bei gleicher Höhe
• Jede Linie = bestimmte Höhe (z.B. +10m pro Linie)

Interpretation:
Eng beieinander: Steiler Hang (schwer zu begehen)
Weit auseinander: Flaches Gelände (leicht)
Konzentrische Kreise: Hügel/Berg (Mitte = Gipfel)
V-Form zur Bergseite: Tal/Bach (Wasser fließt im V)
U-Form: Bergkamm

Maßstab verstehen:
• 1:25.000 = 1cm auf Karte = 250m in Realität (detailliert, Wandern)
• 1:50.000 = 1cm = 500m (Standard für Outdoor)
• 1:100.000 = 1cm = 1km (Überblick, wenig Detail)

Distanz messen:
• Nutze ein Kartenlineal oder einen Faden
• Berücksichtige Höhenunterschiede (bergauf = weiter als die Luftlinie!)
• Faustregel: 4 km/h ebenes Gelände, 2-3 km/h in den Bergen
Navigation mit der Sonne Sonnenstand-Methode (Nordhalbkugel):
Morgens: Sonne im Osten
Mittags (12 Uhr): Sonne im Süden (höchster Stand)
Abends: Sonne im Westen
• Halte die Armbanduhr flach, richte den Stundenzeiger auf die Sonne → Die Mitte zwischen Stundenzeiger und 12 Uhr ergibt Süden
• (Bei Sommerzeit: zwischen Stundenzeiger und 1 Uhr)

Schatten-Stock-Methode (präziser):
1. Stecke einen Stock (1m) senkrecht in den Boden
2. Markiere das Ende des Schattens (Stein/Stock)
3. Warte 15-20 Minuten
4. Markiere das neue Schattenende
5. Verbindungslinie zwischen den beiden Punkten = Ost-West (erste Markierung = Westen)
6. Senkrecht dazu = Nord-Süd
Navigation mit Sternen (nachts) Polarstern finden (zeigt IMMER in Richtung Norden):
1. Finde das Sternbild "Großer Wagen" (7 helle Sterne, Form: Kochtopf mit Griff)
2. Verlängere die beiden hinteren Sterne des "Topfes" etwa 5x nach oben
3. Dort findest du den Polarstern (nicht sehr hell, aber konstant)
4. Polarstern = Norden (genau!)

Alternative (Südhalbkugel):
• Kreuz des Südens nutzen (funktioniert in Europa nicht)
Naturzeichen (unzuverlässig, aber Hinweise) Moos:
• Wächst meist auf der feuchten Seite (Wetterseite = Westen/Nordwesten in Mitteleuropa)
ABER: Nicht zuverlässig! Moos wächst auch im Schatten (kann jede Seite sein)
• Nur als grobe Orientierung, nie alleinige Methode

Baumwuchs:
• Freistehende Bäume haben oft dichtere Äste auf der Sonnenseite (Süden)
• Jahresringe: Breitere Abstände auf Südseite (mehr Sonne = mehr Wachstum)
• Schneeschmelze: Südhänge schmelzen zuerst

Ameisenhaufen:
• Steilere Seite zeigt oft nach Süden (Wärme)
• Ebenfalls nur ein Indiz, keine Gewissheit
Verhalten bei Verirren (STOP-Regel) S = Stop (Anhalten): Nicht weiter laufen! Du verschlimmerst es nur.
T = Think (Denken): Wo warst du zuletzt sicher? Wie lange läufst du schon falsch?
O = Observe (Beobachten): Gibt es Landmarken? Hörst du Wasser/Straßen? Handyempfang?
P = Plan (Planen): Zurückgehen zum letzten sicheren Punkt ODER an dem Ort bleiben und auf Rettung warten (wenn du offiziell gemeldet bist)

Wichtig:
• Bleibe wenn möglich an einem Ort (Retter finden dich leichter wenn du nicht weiter wanderst)
• Mache dich bemerkbar: Signalpfeife (3x = Notsignal), Feuer mit viel Rauch (am Tag), helle Kleidung schwenken
• Folge Wasserläufen bergab (führt meist zu einer Zivilisation), ABER: Nicht bei Hochwassergefahr!
Benötigte Ausrüstung Pflicht:
• Kompass (Spiegelkompass mit Peilhilfe)
• Topografische Karte der Region (laminiert oder in Zipbeutel)
• Notizblock + Stift (wasserfest)
• Trillerpfeife (lauter als Schreien)

Empfohlen:
• GPS als Backup (aber: Batterien + Kenntnis erforderlich)
• Signalspiegel (Sonnenlicht reflektieren = kilometer weit sichtbar)
• Fernglas (Landmarken erkennen)
• Höhenmesser (barometrisch oder GPS)
Häufige Fehler ❌ Nur auf das GPS verlassen (Akku leer = orientierungslos)
❌ Karte nicht einnorden (Du läufst in die falsche Richtung)
❌ Metallische Gegenstände (Messer, Handy) zu nah am Kompass (verfälscht die Nadel)
❌ Bei Verirren weiterlaufen (Du machst es noch schlimmer)
❌ Keine Landmarken merken (Du kannst den Weg nicht zurückverfolgen)
Erste Hilfe Icon

5. Unfallversorgung mit einfachen Mitteln

Erste Hilfe: Schiene und Druckverband improvisieren
Warum Wilderness First Aid kritisch ist Ein gebrochenes Bein, eine tiefe Schnittwunde oder ein Schlangenbiss sind in der Zivilisation behandelbar – in der Wildnis ohne Hilfe potenziell tödlich. Rettungsdienste brauchen in abgelegenen Gebieten Stunden oder sind gar nicht erreichbar. Du musst selbst handeln können, um Schock, Blutverlust oder Infektion zu verhindern. Erste Hilfe in der Wildnis ist keine Behandlung zur Heilung, sondern Schadensbegrenzung bis zur professionellen Hilfe.
Die Prioritäten-Regel: ABC A = Airway (Atemwege):
• Ist die Person bei Bewusstsein? Atmet sie?
• Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen (verhindert Ersticken an Erbrochenem)
• Atemwege freihalten: Kopf überstrecken, Mund öffnen, Fremdkörper entfernen

B = Breathing (Atmung):
• Atmet die Person regelmäßig?
• Bei Atemstillstand: Mund-zu-Mund-Beatmung (2x beatmen, dann Herzdruckmassage)
• Brustverletzung? → Aufrechte Sitzposition (erleichtert Atmung)

C = Circulation (Kreislauf/Blutung):
• Puls prüfen (Hals oder Handgelenk)
• Starke Blutungen? → Sofort stillen (siehe unten)
• Bei Kreislaufstillstand: Herzdruckmassage (100-120x/Minute, 5cm tief drücken)
Blutstillung – Die lebensrettende Technik Direkte Druckmethode (Standard):
1. Ziehe Handschuhe an (wenn vorhanden) – Eigenschutz vor Blut!
2. Drücke ein sauberes Tuch/Verband direkt auf die Wunde (fest!)
3. Halte den Druck für mind. 10 Minuten (nicht nachschauen – unterbricht die Gerinnung)
4. Wenn Verband durchblutet: NICHT entfernen, zweiten darüber legen
5. Fixiere mit einem Druckverband (straff wickeln, aber nicht abschnüren)

Druckverband richtig anlegen:
1. Erste Wicklung locker über der Wunde anbringen
2. Druckpolster (zusammengerolltes Tuch) auf die Wunde legen
3. Fest umwickeln (Polster wird in die Wunde gedrückt)
4. Kontrolle: Finger/Zehen sind noch warm und rosa (nicht blau, sonst zu fest)

Tourniquet (Abbinden – nur bei extremem Blutverlust!):
• Nur bei Gliedmaßen (Arm, Bein), wenn ein Druckverband nicht hilft
• NICHT bei Hals, Rumpf (unmöglich)
• Binde ein 5-7cm breites Band (Gürtel, Tuch) OBERHALB der Wunde (zwischen Wunde und Herz)
• Knote es fest, stecke einen Stock durch den Knoten und drehe bis die Blutung stoppt
Wichtig: Zeitpunkt notieren! Nach 2 Stunden stirbt das Gewebe ab (Amputation droht)
• Nur als absolut letzte Maßnahme (Leben > Gliedmaße)
Knochenbrüche schienen Erkennung:
• Unnatürliche Position der Gliedmaße
• Schwellung, Blaufärbung
• Starke Schmerzen bei Bewegung
• Evtl. sichtbarer Knochen (offener Bruch = Notfall!)

Schienung (Immobilisierung):
1. Nicht bewegen! (außer bei akuter Gefahr – Feuer, Steinschlag)
2. Suche zwei gerade, stabile Äste/Bretter (länger als der gebrochene Knochen)
3. Polstere mit Moos, Kleidung aus (verhindert Druckstellen)
4. Lege Schienen links und rechts neben die Gliedmaße
5. Fixiere mit Paracord, Gürtel oder Stoffstreifen (oberhalb und unterhalb des Bruchs)
6. Wichtig: Fixiere auch die Gelenke darüber und darunter (z.B. bei Unterarmbruch: Handgelenk + Ellbogen)
7. Nicht zu fest (Durchblutung prüfen!)

Offener Bruch (Knochen durchbricht Haut):
• Knochen NICHT zurückdrücken!
• Wunde steril abdecken (sauberes Tuch)
• Schienen wie oben, aber extrem vorsichtig
• Antibiotika (wenn vorhanden) geben (Infektionsgefahr enorm)
• Sofortige Evakuierung nötig
Schock vermeiden & behandeln Was ist ein Schock?
Lebensbedrohlicher Zustand: Der Körper versorgt die Organe nicht mehr ausreichend mit Blut/Sauerstoff (nach Blutverlust, Trauma, Angst).

Symptome:
• Blasse, kalte, feuchte Haut
• Schneller, schwacher Puls
• Flache, schnelle Atmung
• Verwirrung, Bewusstseinstrübung
• Übelkeit

Behandlung:
1. Person hinlegen, Beine hochlagern (30cm – fördert Blutrückfluss zum Herz)
2. Warm halten (Decke, Rettungsdecke – Alufolie Silberseite nach innen)
3. Beruhigen, ansprechen (psychologischer Beistand)
4. NICHTS zu trinken/essen geben (Erstickungsgefahr bei Bewusstlosigkeit)
5. Überwachen: Atmung, Puls regelmäßig checken
Verbrennungen behandeln Grade:
Grad 1: Rötung, Schmerz (Sonnenbrand) – kühlen, Aloe Vera
Grad 2: Blasen, starke Schmerzen – kühlen (10-20 Minuten), steril abdecken, NICHT Blasen aufstechen
Grad 3: Schwarz/weiße Haut, kein Schmerz (Nerven zerstört) – sofort steril abdecken, Evakuierung

Kühlung:
• Nur fließendes, kühles Wasser (nicht eiskalt!)
• 10-20 Minuten kühlen
• Niemals Eis direkt auf die Haut (Kälteschäden)
• Keine Hausmittel (Mehl, Butter, Zahnpasta = Infektionsgefahr!)

Abdeckung:
• Sterile Brandwundauflage (aus Erste-Hilfe-Set)
• Oder: Sauberes Tuch, nicht fusselfrei
• Locker verbinden (nicht kleben oder zu fest)
• Bei großflächigen Verbrennungen (>Handfläche): Sofort Rettung einleiten
Schlangenbisse & Insektenstiche Schlangenbiss (in Deutschland: Kreuzotter, selten giftig genug für den Tod):
• Ruhe bewahren! Panik beschleunigt die Giftverteilung
• Gliedmaße ruhigstellen (wie gebrochen schienen)
• NICHT aussaugen, ausschneiden oder Eis auflegen
• NICHT abbinden (verschlimmert Gewebeschäden)
• Die Person sollte ruhig liegen, betroffene Stelle leicht tiefer als das Herz
• Schlangen-Rasse merken (Aussehen für den Arzt wichtig)
• Schnellstmöglich zum Arzt (auch wenn es "nicht so schlimm" erscheint)

Zeckenbiss:
• Mit Pinzette nah an der Haut greifen (nicht am Körper!)
• Gerade herausziehen (nicht drehen!)
• Stelle desinfizieren, Datum notieren
• Rötung/Wanderröte in den nächsten Wochen? → Arzt (Borreliose)

Wespenstich (allergische Reaktion):
• Schwellung, Atemnot, Schwindel = anaphylaktischer Schock
• Wenn ein EpiPen (Adrenalin-Autoinjektor) vorhanden ist: Sofort in den Oberschenkel stechen
• Ansonsten: Schocklage, kühlen, Rettung alarmieren
Benötigte Ausrüstung (Erste-Hilfe-Set Wilderness) Pflicht:
• Sterile Kompressen (5x5cm, 10x10cm, je 10 Stück)
• Mullbinden (6cm und 8cm breit)
• Dreiecktuch (Armschlinge, Kopfverband)
• Heftpflaster-Rolle (fixieren)
• Blasenpflaster (!) – unterschätzt, aber häufigste Verletzung
• Einweghandschuhe (4 Paar)
• Pinzette (Splitter, Zecken)
• Schere (Verband zuschneiden)
• Desinfektionsmittel (Wunden reinigen)
• Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol)
• Rettungsdecke (Alufolie, gold/silber)

Erweitert:
• Tourniquet
• Israeli Bandage (Druckverband mit integriertem Polster)
• Klammerpflaster (Wunden verschließen ohne Nähen)
• SAM-Splint (formbare Alu-Schiene, 10€)
• Antibiotika-Salbe
• EpiPen (verschreibungspflichtig, für Allergiker)
Häufige Fehler ❌ Wunden mit schmutzigem Wasser reinigen (Infektion!)
❌ Tourniquet zu früh einsetzen (erst Druckverband versuchen)
❌ Gebrochene Knochen bewegen ("geht schon")
❌ Verbrennungen mit Hausmitteln behandeln (Mehl, Butter = Infektionsherd)
❌ Schockposition vergessen (Beine hochlagern rettet Leben!)
❌ Keine Erste-Hilfe-Kenntnisse (mache einen Kurs JETZT, nicht in der Krise!)
⚠️ Wichtig: Dieser Text ersetzt KEINE professionelle Ausbildung! Absolviere einen Wilderness First Aid Kurs (z.B. bei Outdoor-Schulen, Malteser, DRK). Theorie reicht nicht – praktische Übungen retten Leben.
Pflanzen Icon

6. Essbares in der Natur finden

Nahrungssuche: Essbare Pflanzen
⚠️ OBERSTE REGEL: Iss NIEMALS etwas, das du nicht zu 100% identifizieren kannst! Viele Giftpflanzen sehen essbaren Pflanzen ähnlich. Eine Verwechslung kann tödlich enden. Pilze sind für Laien absolut tabu (Knollenblätterpilz = Tod in 2 Tagen, kein Gegenmittel).
Warum Pflanzennahrung schwierig ist Pflanzen liefern Kalorien, Vitamine und Ballaststoffe – aber: Viele sind giftig, schwer verdaulich oder kalorienarm. Du musst KILOS sammeln, um satt zu werden. Die Energie, die du beim Sammeln verbrauchst, übersteigt oft den Kaloriengewinn. Fazit: Pflanzennahrung ist eine Ergänzung, keine Hauptnahrung. Tierische Nahrung (Fisch, Insekten) ist effizienter, aber schwerer zu bekommen.
Sichere essbare Pflanzen in Mitteleuropa Brennnessel (Urtica dioica):
Erkennungsmerkmale: Brennhaare auf Blättern/Stängel (Juckreiz bei Berührung), gezackte Blattränder, gegenständig
Essbarkeit: Komplett essbar, gekocht wie Spinat. NICHT roh (Brennhaare!)
Zubereitung: In kochendem Wasser 3-5 Minuten, Brennhaare werden zerstört. Sehr vitaminreich (Vitamin C, Eisen)
Wo: Überall (Waldränder, Wiesen, Gärten)
Saison: Frühling bis Herbst (junge Triebe sind am besten)

Löwenzahn (Taraxacum):
Erkennungsmerkmale: Gelbe Blüte, gezackte Blätter (rosettenförmig), weißer Milchsaft im Stängel
Essbarkeit: Komplett essbar – Blätter (Salat, bitter), Wurzeln (gekocht, geröstet als Kaffee-Ersatz), Blüten (frittiert)
Zubereitung: Blätter vor der Blüte sammeln (weniger bitter). Wurzeln waschen, kochen oder rösten
Wo: Wiesen, Wegränder
Saison: Ganzjährig (Wurzeln auch Winter)

Giersch (Aegopodium podagraria):
Erkennungsmerkmale: Dreikantige Stängel, dreifach gefiederte Blätter, weiße Doldenblüten
VORSICHT: Ähnlichkeit mit giftiger Hundspetersilie! Unterschied: Giersch riecht nach Petersilie, Stängel ist dreikantig (nicht rund)
Essbarkeit: Blätter roh oder gekocht, schmeckt nach Petersilie/Karotte
Wo: Schattige Gärten, Wälder

Beeren (nur die sicheren!):
Brombeeren (schwarz, Stacheln an Ranken): Roh essbar, sehr sicher zu erkennen
Himbeeren (rot, keine Stacheln, zerfällt beim Pflücken): Roh essbar
Heidelbeeren (dunkelblau, im Wald, färbt Zunge): Roh essbar
Holunderbeeren (schwarz, Doldentrauben): NUR GEKOCHT! Roh leicht giftig (Übelkeit)

Bucheckern (Fagus sylvatica):
Erkennungsmerkmale: Dreikantige Nüsse in stacheliger Hülle, unter Buchen
Essbarkeit: NICHT roh (enthalten Fagin, leicht giftig). Rösten (10 Minuten über Feuer) macht sie essbar
Saison: Herbst
Geschmack: Nussig, nahrhaft

Eicheln (Quercus):
Vorbereitung nötig: Enthalten viel Gerbstoff (bitter, Magenschmerzen)
Zubereitung: Schälen, in Stücke schneiden, 2-3 Tage in fließendem Wasser wässern (Gerbstoffe lösen sich), dann rösten oder kochen. Aufwendig, aber kalorienreich
Saison: Herbst
GIFTIGE Pflanzen – Niemals anfassen! Tollkirsche (Atropa belladonna):
• Schwarze, glänzende Beeren (sehen aus wie Heidelbeeren!)
Wirkung: 3-5 Beeren = tödlich für Erwachsene. Halluzinationen, Herzrasen, Atemlähmung
Unterschied zu Heidelbeere: Tollkirsche hat einzelne Beeren, Heidelbeere wächst in Büscheln

Knollenblätterpilz (Amanita phalloides):
• Sieht aus wie ein Champignon!
Wirkung: Bereits 50g = tödlich. Kein Gegenmittel. Tod durch Leberversagen nach 3-7 Tagen
Regel: NIEMALS Pilze essen außer du bist Experte

Seidelbast (Daphne mezereum):
• Rote Beeren an Zweigen (sehen essbar aus)
Wirkung: 10-15 Beeren = tödlich. Verätzung von Mund/Magen

Maiglöckchen (Convallaria majalis):
• Wird mit Bärlauch verwechselt!
Unterschied: Bärlauch riecht stark nach Knoblauch (Blatt zerreiben!), Maiglöckchen hat keinen Geruch
Wirkung: Herzglykoside = Herzrhythmusstörungen, Tod möglich

Universeller Essbarkeitstest (NOTFALL-METHODE) ⚠️ Nur wenn du VERHUNGERST und keine Alternative hast!

Schritt 1 – Vorab-Checks:
• Milchiger Saft? → NICHT ESSEN (Ausnahme: Löwenzahn)
• Bittermandelgeruch? → NICHT ESSEN (Blausäure)
• Stacheln, feine Härchen? → NICHT ESSEN (Reizung)
• Pilze, Bohnen-ähnliche Pflanzen? → NICHT ESSEN

Schritt 2 – Hauttest (8 Stunden warten!):
• Pflanzensaft auf Unterarm reiben
• Warten: Rötung, Juckreiz, Brennen? → NICHT ESSEN

Schritt 3 – Lippentest (15 Minuten warten):
• Kleines Stück auf Lippen legen
• Brennen, Taubheit? → NICHT ESSEN

Schritt 4 – Zungentest (15 Minuten warten):
• Stück auf Zunge, NICHT schlucken
• Kauen, Geschmack prüfen: Brennen, bitter, seifig? → AUSSPUCKEN

Schritt 5 – Schlucktest (5 Stunden warten!):
• Winzige Menge schlucken
• Beobachten: Übelkeit, Krämpfe, Schwindel? → ERBRECHEN auslösen (Finger in Hals)

Schritt 6 – Echte Portion:
• Erst nach 5 Stunden ohne Symptome eine handvoll essen
• Weitere 5 Stunden warten
• Keine Symptome? → Pflanze ist essbar (für dich, zu diesem Zeitpunkt)

WICHTIG: Jeden Pflanzenteil separat testen! (Blatt ≠ Wurzel ≠ Frucht). Dieser Test dauert TAGE und ist nur für absolute Notfälle gedacht.
Praktische Tipps für Pflanzennahrung Sammeln & Zubereiten:
Morgens sammeln: Pflanzen sind praller, mehr Feuchtigkeit
Junge Triebe: Zarter, weniger bitter, nahrhafter
Kochen verbessert Verdaulichkeit: Viele Pflanzen sind roh schwer verdaulich (Zellulose)
Brennnessel-Trick: Mit Stock umknicken, dann pflücken (keine Brennhaare)
Wurzeln: Graben ist energieintensiv – nur wenn du Werkzeug hast

Kalorienbilanz beachten:
• 1 kg Brennnessel = ~40 kcal (du verbrennst 100+ beim Sammeln)
• 1 kg Bucheckern = ~600 kcal (nach Rösten!)
• 1 kg Brombeeren = ~40 kcal
Fokus auf kalorienreiche Pflanzen: Nüsse, Samen, stärkehaltige Wurzeln

Konservieren:
Trocknen: Kräuter, Beeren über Feuer hängen (2-3 Tage)
Räuchern: Pilze (wenn du sie kennst!) über Rauch
Einlegen: In Salzwasser (wenn du Salz hast)

Wasser aus Pflanzen:
Birken anzapfen (Frühling): Loch in Stamm bohren, Saft tropft raus (süßlich, trinkbar). Loch mit Harz verschließen danach
Tautropfen: Morgens Gras mit Tuch abwischen, auswringen
NICHT trinken: Milchige Pflanzensäfte (giftig!)
Alternative Proteinquellen (oft übersehen!) Insekten – Die bessere Nahrungsquelle:
Warum Insekten? 60-80% Protein, leicht zu finden, kalorienreich
Heuschrecken: Beine/Flügel entfernen, rösten. Schmeckt nussig
Käfer: Larven unter Baumrinde (fett, proteinreich). NICHT bunt gefärbte Käfer (Gift!)
Ameisen: Säuerlich (Ameisensäure), essbar. Vorsicht: Manche beißen
Regenwürmer: In Wasser legen (24h, damit sie Erde ausscheiden), dann kochen. Sehr proteinreich
Schnecken: 3 Tage in Behälter mit essbaren Pflanzen halten (Darmreinigung), dann kochen

Zubereitung Insekten:
• IMMER kochen oder rösten (Parasiten abtöten!)
• Flügel, Beine, Stacheln entfernen
• Über Feuer rösten bis knusprig

Kalorienbilanz:
• 100g Heuschrecken = ~120 kcal + 20g Protein
• 100g Larven = ~200 kcal + 15g Protein
Effizienter als die meisten Pflanzen!
🎯 PRIORITÄTEN SETZEN:
1. Wasser finden (du stirbst in 3 Tagen ohne Wasser, aber erst nach 3 Wochen ohne Essen)
2. Unterkunft bauen (Unterkühlung tötet schneller als Hunger)
3. Feuer machen (Wärme, Wasseraufbereitung, Kochen)
4. Erst dann: Nahrung suchen

Verhungern ist unwahrscheinlich in 3-7 Tagen. Vergiftung durch falsche Pflanzen ist wahrscheinlich, wenn du verzweifelt bist. Im Zweifel: NICHT ESSEN!
💡 Profi-Tipp: Lerne VOR einem Notfall 5-10 essbare Pflanzen deiner Region auswendig (mit Bildern, Standorten, Doppelgängern). Ein Pflanzenbestimmungsbuch wiegt 200g – pack es in deinen Rucksack. Im Notfall hast du keine Zeit zum Experimentieren.
Orientierung Icon

7. Orientierung ohne GPS

Navigation: Kompass und Sternenhimmel
⚠️ REGEL #1: Wenn du dich verirrt hast – BLEIB WO DU BIST! Umherwandern verschlimmert die Lage (größeres Suchgebiet, Energieverlust). Mach dich bemerkbar: Signalfeuer (3 Feuer in Dreieck = internationales Notsignal), Pfeife (3x kurz), helle Kleidung an Baum hängen. Retter finden dich, wenn du stillhältst.
Warum GPS versagt Realität der Technik:
• Akku ist nach 8-24 Stunden leer (im Outdoor-Einsatz schneller durch Kälte)
• Kein Empfang in tiefen Tälern, in dichtem Wald, oder in Schluchten
• Geräte können fallen, werden nass, gehen kaputt
• In Krisenszenarien: GPS-Satelliten können abgeschaltet/gestört werden (militärisch)

Die Lösung: Analoge Orientierung ist ausfallsicher. Sonne, Sterne, Kompass funktionieren immer – wenn du weißt, wie.
Orientierung mit der Sonne (Nordhalbkugel) Grundprinzip:
• Die Sonne geht im Osten auf
• Sie steht mittags (12-13 Uhr Sommerzeit) im Süden
• Sie geht im Westen unter
Der Schatten zeigt nach Norden (mittags auf der Nordhalbkugel)

Stock-Schatten-Methode (genaueste Methode ohne Werkzeug):
1. Stecke einen ca. 1m langen Stock senkrecht in den ebenen Boden
2. Markiere die Spitze des Schattens mit einem Stein (= Westen)
3. Warte 15-20 Minuten
4. Markiere die neue Schattenspitze mit einem zweitem Stein (der Schatten wandert nach Osten)
5. Verbinde beide Steine mit einer Linie = Ost-West-Achse
6. Stelle dich so, dass der erste Stein links (W), der zweite rechts (O) ist
7. Du blickst jetzt nach Norden

Warum funktioniert das?
Die Sonne wandert von Ost nach West. Der Schatten bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung (von West nach Ost). Diese Methode funktioniert überall auf der Welt, zu jeder Jahreszeit.

Uhr-Methode (mit analoger Uhr):
1. Halte die Uhr flach (horizontal)
2. Richte den Stundenzeiger auf die Sonne
3. Halbiere den Winkel zwischen dem Stundenzeiger und der 12-Uhr-Markierung
4. Diese Winkelhalbierungslinie zeigt nach Süden
Wichtig: Bei Sommerzeit die 1-Uhr-Markierung statt 12 nutzen!
• Beispiel: Es ist 16 Uhr (Sommerzeit = 17 Uhr). Der Stundenzeiger zeigt auf die Sonne. Den Winkel zwischen 17 und 1 halbieren = Süden

Ohne Uhr – Improvisierte Sonnenuhr:
• Kratze einen Kreis in den Boden, stecke einen Stock in die Mitte
• Der Schatten wandert im Uhrzeigersinn (auf der Nordhalbkugel)
• Morgenschatten = Nordwesten, Abendschatten = Nordosten, Mittagsschatten = Norden
Orientierung mit Sternen (nachts) Polarstern finden (zeigt IMMER nach Norden):
1. Finde den Großen Wagen (7 helle Sterne in Kastenform mit einem "Griff")
2. Nimm die beiden äußeren Sterne der "Kastenrückwand" (gegenüber vom Griff)
3. Verlängere die gedachte Linie zwischen diesen beiden Sternen ca. 5-fach nach oben
4. Du triffst auf einen mittelhellen Stern = der Polarstern
5. Der Polarstern ist das Ende des "Griffs" vom Kleinen Wagen
6. Richtung zum Polarstern = exakter Norden (Abweichung <1°)

Warum ist der Polarstern besonders?
Er steht fast genau über dem Nordpol und bewegt sich deshalb nicht (alle anderen Sterne rotieren um ihn herum). Er ist der einzige "stehende" Stern am Nachthimmel.

Alternative – Kassiopeia (gegenüber vom Großen Wagen):
• Sternbild in W-Form (5 helle Sterne)
• Mittelster Stern des W zeigt grob zum Polarstern
• Nützlich, wenn der Große Wagen unter dem Horizont steht

Orion (Winter, sehr auffällig):
• Drei Sterne in einer Reihe = Oriongürtel
• Gürtel zeigt grob Ost-West-Richtung
• Orion geht im Osten auf, steht mittags im Süden, geht im Westen unter

Südhalbkugel (für Reisen):
Kreuz des Südens finden (4 helle Sterne in Kreuzform)
• Verlängere die Längsachse des Kreuzes 4,5-fach nach unten
• Dieser Punkt am Himmel liegt über dem Südpol
• (Dort ist kein heller Stern – anders als der Polarstern im Norden!)
Kompass richtig nutzen Kompass-Grundlagen:
• Die Magnetnadel zeigt immer zum magnetischen Nordpol (nicht exakt zum geografischen Nordpol!)
Deklination beachten: In Deutschland weicht der magnetische Norden ca. 2-5° vom geografischen ab (ist in Karten angegeben)
• Kompass flach halten (nicht kippen!)
• Metallgegenstände fernhalten (Messer, Handy, Gürtelschnalle verfälschen die Anzeige)

Peilung nehmen (Richtung bestimmen):
1. Halte den Kompass flach vor dir
2. Drehe dich, bis die Magnetnadel (oft rot) auf N (Norden) zeigt
3. Visiere ein Ziel an (Baum, Berg, markanter Punkt)
4. Lies die Gradzahl ab (z.B. 90° = Osten, 180° = Süden, 270° = Westen)
5. Merke dir die Gradzahl oder notiere sie

Marschzahl folgen (von A nach B navigieren):
1. Bestimme die Richtung von Startpunkt zu Ziel auf der Karte (z.B. 120°)
2. Stelle am Kompass 120° ein (Peilrichtung)
3. Drehe dich, bis die Magnetnadel auf N zeigt
4. Laufe in die Peilrichtung (geradeaus)
5. Kontrolliere alle 100m, ob die Nadel noch auf N steht (Kurskorrektur!)

Rückpeilung (zurück zum Startpunkt):
• Hattest du 120° als Hinweg? → Rückweg ist 120° + 180° = 300°
• Generell: Hinrichtung + 180° = Rückrichtung

Improvisation: Kompass ohne Kompass Einen Nadel-Kompass bauen:
1. Material: Eine Nähnadel (oder Büroklammer, dünner Nagel) + Blatt/Rinde + Wasser in einem Behälter
2. Nadel magnetisieren:
• Methode 1: An Seide oder den eigenen Haaren 50x in EINE Richtung streichen (Reibung magnetisiert leicht)
• Methode 2: An einem Magneten reiben (falls vorhanden – Lautsprecher, Verschlüsse von Taschen)
• Methode 3: Mit Batterie + Draht (Nadel umwickeln, Strom durchjagen – komplexer)
3. Nadel schwimmen lassen:
• Die Nadel auf das Blatt, das Rindenstück oder Kork legen
• Vorsichtig auf stehendes Wasser ablegen (Pfütze, Tasse, ausgehöhlter Stein)
• Die Nadel dreht sich langsam zur Nord-Süd-Achse
4. Norden bestimmen:
• Kombiniere mit Sonnenstand (mittags Sonne im Süden)
• Oder mit Uhrzeit: Ist es Vormittag (10 Uhr)? Dann ist die Sonne im Südosten → die Nadel zeigt Nord-Süd

Warum funktioniert das?
Das Erdmagnetfeld zieht magnetisierte Objekte an. Das Wasser reduziert die Reibung, sodass die Nadel sich frei drehen kann. Genauigkeit: ±10-20° (besser als nichts!).

Alternative: Uhr als Kompass (siehe oben bei Sonne)

Natürliche Orientierungshilfen (mit Vorsicht!) ⚠️ VORSICHT: Diese Methoden sind UNZUVERLÄSSIG! Nur als grobe Anhaltspunkte in Kombination mit anderen Methoden nutzen.

Bäume (oft falsch verstanden!):
Mythos: "Moos wächst auf der Nordseite" → FALSCH!
Realität: Moos wächst auf der feuchten/schattigen Seite. Das kann Nord, Ost, West oder Süd sein – je nach lokalem Mikroklima (Wind, Bäume in der Nähe, Hangneigung)
Etwas zuverlässiger: Baumstümpfe – Jahresringe sind auf der Südseite oft etwas breiter (mehr Sonnenlicht = mehr Wachstum). Aber: Nur Tendenz, keine feste Regel! Wind und Hangneigung beeinflussen Wachstum stärker

Ameisenhaufen:
• Öffnung/Eingang zeigt oft nach Süden (Wärme)
• Funktioniert nur in offenem Gelände (Wiesen)
• Im Wald: Unzuverlässig (Schatten durch Bäume)

Satellitenschüsseln (in bewohnten Gebieten):
• In Mitteleuropa zeigen sie grob nach Süden (Richtung Äquator, wo Satelliten stehen)
• In Skandinavien: Süd-Südwest
• Kann helfen, wenn du dich in Dörfern/Städten orientierst

Kirchen (historische Bauweise):
• Alte Kirchen (vor 1800) haben den Altar oft im Osten (Richtung Jerusalem)
• Moderne Kirchen: Oft nicht mehr so gebaut → unzuverlässig

Schnee auf Berghängen:
• Nordhänge (weniger Sonne) halten Schnee länger
• Im Frühjahr: Südhänge schneefrei, Nordhänge noch weiß

Karten lesen & Landmarken nutzen Karte "norden" (einnorden):
1. Lege die Karte flach hin
2. Drehe die Karte, bis der Norden auf der Karte mit dem echten echter Norden übereinstimmt (mit Kompass bestimmen)
3. Jetzt stimmt die Karte mit der Realität überein (Berg links auf Karte = Berg links in echt)

Standort bestimmen (Triangulation):
1. Identifiziere 2-3 markante Punkte in der Landschaft (Berggipfel, Turm, Kirche, Funkturm)
2. Finde diese Punkte auf der Karte
3. Peile jeden Punkt mit dem Kompass an (Gradzahl notieren)
4. Zeichne auf der Karte von jedem Punkt eine Linie in der gemessenen Richtung (rückwärts!)
5. Wo sich die Linien kreuzen ist dein Standort

Höhenlinien verstehen:
• Jede Linie = gleiche Höhe (z.B. alle 10m oder 20m)
Eng beieinander = steiler Hang
Weit auseinander = flach
• Kreise = Gipfel (höchster Punkt)
• V-Formen = Täler (V zeigt bergauf)

Ohne Karte – Mentale Karte erstellen:
Merke dir markante Punkte: Hügel, Flüsse, große Bäume, Felsformationen, Lichtungen
Regel: Flüsse fließen bergab → Folge einem Bach = du findest irgendwann Zivilisation (Dörfer stehen meist an Gewässern)
Hochpunkte nutzen: Klettere auf einen Hügel/Baum → Überblick verschaffen, Rauchsäulen/Straßen sehen
Achte auf Geräusche: Straßen (konstantes Rauschen), Züge, Kirchenglocken, Flugzeuge (Flugrouten zeigen Zivilisationsnähe)

Orientierung in dichtem Wald (ohne Sicht) Problem: Im dichten Wald läufst du automatisch im Kreis (Phänomen: Ein Bein ist minimal kürzer/stärker → Drehung).

Lösung – Gerade Linie halten:
1. Bestimme deine Richtung (mit Kompass/Sonne)
2. Visiere einen markanten Baum/Felsen in dieser Richtung an (max. 20-30m weit)
3. Gehe zu diesem Baum
4. Visiere von dort den nächsten Baum in gleicher Richtung an
5. Wiederholen (verhindert Kreislaufen)

Spur hinterlassen (Rückweg sichern):
• Zweige abbrechen (in Laufrichtung zeigend)
• Steine als Pfeile legen (alle 20-50m)
• Stoffstreifen an Äste binden (auffällige Farbe)
• Paracord spannen (wenn genug da ist)
Wichtig: Hinterlasse Spuren in beide Richtungen (Hinweg UND Rückweg erkennbar)
🚨 VERIRRT? NOTFALLPLAN (STOP-Prinzip):

S = STOP
• Sofort stehenbleiben! Nicht weiterlaufen (verschlimmert die Lage)
• Setze dich hin, beruhige dich (Panik verschwendet Energie + schlechte Entscheidungen)

T = THINK
• Wo warst du zuletzt sicher? (letzter bekannter Punkt)
• Wie lange bist du schon unterwegs?
• Welche Richtung hast du eingeschlagen?
• Erinnerst du dich an markante Punkte (Fluss, Hügel, Lichtung)?

O = OBSERVE
• Schau dich um: Erkennst du etwas? Landmarken?
• Hör hin: Straßen? Wasser? Stimmen? Tiere?
• Rieche: Rauch (Lagerfeuer, Häuser)? Abgase (Straße)?
• Prüfe: Handyempfang? (Notruf 112 geht oft auch ohne Netz!)

P = PLAN
Option 1: Zurück zum letzten sicheren Punkt (wenn unter 30 Minuten her sind und du dir sicher bist)
Option 2: Bleiben! (wenn mehr als 1 Stunde verirrt ODER es wird dunkel ODER schlechtes Wetter)
• Wenn Du bleibst: Notunterkunft bauen, Signalfeuer vorbereiten, sichtbar machen

REGEL: Wenn die Dunkelheit naht oder du mehr als 1 Stunde verirrt bist → BLEIBEN! Umherirren vergrößert das Suchgebiet und verschwendet Energie. Retter finden dich leichter, wenn du stillhältst.
Signale setzen (damit du gefunden wirst) Signalfeuer:
3 Feuer im Dreieck = internationales Notsignal
• Tagsüber: Viel Rauch (grünes Laub/Gras auf Feuer = weißer Rauch)
• Nachts: Helle Flammen (trockenes Holz)
• Auf Lichtungen/Hügeln (sichtbar aus der Luft)

Bodensignale:
• Große Symbole auf den Boden legen (SOS, X, Pfeile) – mind. 3m groß
• Material: Steine, Äste, helle Kleidung, ausgerissenes Gras (Kontrast!)
• Sichtbar für Hubschrauber/Flugzeuge

Akustische Signale:
Pfeife: 3x kurz = Notsignal (spart Energie gegenüber Schreien)
• Rufe nur alle 10 Minuten (Stimme schonen)
• Lausche auf Antworten (zwischen Rufen still sein!)

Optische Signale:
Spiegel/Handy-Display: Sonnenlicht reflektieren (sichtbar über Kilometer!)
• Taschenlampe nachts (SOS-Muster: 3x kurz, 3x lang, 3x kurz)
• Helle Kleidung an hohen Baum hängen

Handy:
• Notruf 112 (geht auch ohne SIM-Karte, oft auch ohne Netz)
• SMS an Notfallkontakt (braucht weniger Empfang als Anruf)
• Standort-Teilen (WhatsApp, Google Maps) – wenn noch Empfang
• Flugmodus aktivieren (spart Akku massiv!)
Häufige Fehler ❌ In Panik weiterlaufen (verschlimmert Lage exponentiell)
❌ Keine Karte/Kompass dabei ("Handy reicht") – bis der Akku leer ist
❌ Route nicht vorher studieren ("improvisieren wir")
❌ Niemandem Bescheid sagen, wohin du gehst (keiner sucht dich!)
❌ Moos/Baumrinde als alleinige Orientierung nutzen (Mythen!)
❌ Bei Dämmerung noch "schnell" weitergehen (Verletzungsgefahr + Desorientierung)
❌ Flüsse bergauf folgen (falsche Richtung – Flüsse führen bergab zur Zivilisation!)
💡 Profi-Tipp: Lade Offline-Karten auf dein Handy (Apps: OsmAnd, Maps.me, Komoot). Auch ohne Mobilfunkempfang funktioniert GPS (Satellitensignal)! Handy im Flugmodus = Akku hält 3-5x länger. Powerbank (20.000 mAh) + Solar-Ladegerät (20€) ins Gepäck – kann in 3 Tagen dein Leben retten.
Angeln Icon

8. Improvisiertes Angeln

Angeln: Haken aus Naturmaterialien
Warum Fisch die beste Proteinquelle ist Vorteile gegenüber Jagd:
• Fische bewegen sich vorhersehbar (Gewässer sind begrenzte Gebiete)
• Kein Schuss/Lärm nötig (Wild wird nicht verscheucht)
• Weniger Energie-Aufwand als Fallenbau/Pirsch
• Hoher Protein- und Fettgehalt (besonders Forelle, Barsch, Hecht)
• In Deutschland: Viele Gewässer mit Fischbestand (Flüsse, Seen, Bäche)

Rechtslage (wichtig!):
• Angeln ohne Angelschein + Gewässererlaubnis = Straftat (Fischwilderei, bis 5.000€ Strafe)
Ausnahme: Absoluter Notfall (Überleben) – Notstand (§34 StGB) kann Rechtfertigung sein
• In echten Krisenszenarien: Gesetze gelten, aber Überleben hat Priorität
Dieses Wissen ist für Survival-Situationen gedacht, nicht für illegales Freizeitangeln!
Angelhaken improvisieren Methode 1 – Dornen (einfachste Variante):
Material: Schlehen-Dornen, Weißdorn, Rosen-Dornen (1-3cm lang, hart, spitz)
Bauweise:
1. Suche einen stabilen Dorn mit natürlichem Widerhaken (gebogene Spitze)
2. Binde Schnur am dickeren Ende fest (mehrfach umwickeln, verknoten)
3. Teste Festigkeit (Dorn darf sich nicht lösen)
Vorteil: Schnell gemacht, funktioniert für kleine Fische (Barsch, Forelle)
Nachteil: Bricht leicht bei großen Fischen

Methode 2 – Sicherheitsnadel/Büroklammer (falls vorhanden):
Sicherheitsnadel: Öffnen, Spitze leicht verbiegen (Widerhaken formen), an Schnur binden
Büroklammer: Aufbiegen, ein Ende spitz feilen/schleifen (Stein), zu J-Form biegen, Widerhaken einkerben
Vorteil: Stabil, wiederverwendbar

Methode 3 – Knochen/Holz (aufwendig, aber haltbar):
Material: Kleiner Knochen (Vogel, Kaninchen) oder hartes Holz (Eiche, Buche)
Bauweise:
1. Schneide ein 2-3cm langes Stück
2. Schnitze es zu einer J-Form (oder gerade mit Widerhaken an der Seite)
3. Spitze scharf anschleifen (an Stein)
4. Kerbe für Schnur einschneiden, festbinden
Trick: Im Feuer kurz härten (nicht verkohlen lassen!)
Vorteil: Sehr stabil, hält auch große Fische

Methode 4 – Getränkedosen-Haken (modern):
Material: Lasche einer Getränkedose (Alu)
Bauweise:
1. Lasche abbrechen
2. Unteres Loch mit Schnur verbinden
3. Oberes Ende spitz feilen/schneiden (mit Messer oder Stein)
4. Leicht biegen für Widerhaken-Effekt
Vorteil: Oft verfügbar (Müll in der Natur), schnell gemacht
Angelschnur improvisieren Option 1 – Paracord-Innenlitzen (beste Wahl):
• Paracord besteht aus einer Außenhülle + 7-9 inneren Litzen
Anleitung: Hülle aufschneiden, Litzen herausziehen, einzeln verwenden
Tragkraft: Eine Litze hält ca. 2-4 kg (für Forellen ausreichend)
Vorteil: Reißfest, flexibel, wasserfest

Option 2 – Zahnseide (ungewöhnlich, aber effektiv):
• Gewachste Zahnseide ist überraschend reißfest (ca. 3-5 kg Tragkraft)
Vorteil: Leicht (wiegt nichts), oft in Rucksäcken/Taschen vorhanden
Nachteil: Dehnt sich etwas bei Nässe

Option 3 – Pflanzenfasern (Naturmaterial, aufwendig):
Brennnessel-Fasern:
1. Stängel ernten (trocken, im Herbst)
2. Äußere Schicht ablösen (enthält Fasern)
3. In Wasser einweichen (12-24h), dann Fasern abtrennen
4. Mehrere Fasern zusammendrehen (je mehr, desto stärker)
Alternativ: Lindenbast, Weidenbast (ähnliches Verfahren)
Vorteil: Komplett aus der Natur
Nachteil: Sehr zeitaufwendig (Stunden!), geringere Reißfestigkeit

Option 4 – Draht (falls vorhanden):
• Dünner Kupferdraht (aus Elektrokabeln) oder Blumendraht
Vorteil: Extrem reißfest, Fische können ihn nicht durchbeißen
Nachteil: Steif (Fische sehen ihn eher), rostet

Option 5 – Schnürsenkel (Notlösung):
• Synthetische Schnürsenkel (Polyester) sind wasserfest
Problem: Dick → Fische sehen ihn → weniger Bisse
• Nur für verzweifelte Situationen
Köder finden & präsentieren Lebende Köder (am effektivsten):

Regenwürmer:
Wo finden: Nach Regen auf Wiesen, unter feuchtem Laub, unter Steinen
Trick: Stampfe mit dem Fuß auf den Boden → Vibrationen locken Würmer an die Oberfläche
Anködern: Durch die Mitte aufspießen (Wurm wackelt = attraktiv für Fische)
Haltbarkeit: In feuchter Erde/Moos aufbewahren (halten Tage)

Maden/Larven:
Wo finden: Unter Baumrinde (Borkenkäfer-Larven), in verrottendem Holz, totes Tier (Fliegenmaden nach 2 Tagen)
Anködern: 1-3 Maden auf Haken (mehr = mehr Duft)
Vorteil: Fettreich = starker Geruch → zieht Fische an

Heuschrecken/Grillen:
Wo finden: Wiesen (Heuschrecken), unter Steinen (Grillen)
Anködern: Durch den Körper stechen (Beine/Flügel entfernen, sonst schwimmt er an Oberfläche)
Vorteil: Große Fische (Forelle, Barsch) lieben Insekten

Kleine Fische (als Köder für große Fische):
Methode: Erst kleine Fische fangen (mit Wurm), dann als Köder für Hecht/Zander nutzen
Anködern: Durch den Rücken stechen (Fisch schwimmt lebensecht)

Tote/Künstliche Köder:

Brot/Teig:
• Für Friedfische (Rotaugen, Brassen) – NICHT für Raubfische
• Zu Kugel formen, Haken verstecken

Dosenmais/Erbsen:
• Falls im Rucksack → funktioniert für Friedfische

Alufolie/glänzende Stücke (als Blinker):
• Kleines Stück Alufolie (1x2cm) an Haken binden
• Beim Einholen dreht es sich → Lichtreflexion = imitiert kleine Fische
Vorteil: Funktioniert für Raubfische (Barsch, Forelle, Hecht)
Trick: Rote/bunte Fäden dazubinden (noch auffälliger)

Federn (als Fliege):
• Vogelfeder an Haken binden (imitiert Insekt an Wasseroberfläche)
• Für Fliegenfischen-Effekt (Forellen!)
Angel-Techniken ohne Rute Handangel (einfache Methode):
Aufbau: Schnur direkt in der Hand halten, Haken + Köder dran
Technik:
1. Köder ins Wasser werfen (ruhige Stellen: unter Ästen, bei Steinen)
2. Schnur leicht gespannt halten (Biss spürst du als Ruck)
3. Bei Biss: Kurz warten (Fisch schluckt Köder), dann ruckartig ziehen
Nachteil: Anstrengend (lange halten), wenig Wurfweite

Stockrute (improvisierte Angel):
Material: Gerader Ast (2-3m lang, elastisch – Weide, Hasel)
Aufbau:
1. Schnur am dünnen Ende festbinden
2. Schnur sollte ca. so lang wie Stock sein
3. Haken + Köder an Schnurende
Vorteil: Mehr Wurfweite, weniger Kraftaufwand, Biss spürst du als Zittern der Rute

Setzkescher/Reuse (passives Fischen):
Aufbau: Trichterförmiger Korb aus Weidenruten/Draht
Prinzip: Fisch schwimmt rein (Öffnung), kommt nicht mehr raus (verengt sich)
Bauweise:
1. Biegsame Weidenruten zu Korbform flechten (oder Drahtgeflecht nutzen)
2. Eingang als Trichter (außen weit, innen eng)
3. Köder in die Mitte (Brot, tote Fische)
4. Im Fluss verankern (Steine als Gewicht)
Vorteil: Funktioniert über Nacht (du schläfst, Reuse arbeitet)
Nachteil: Bau dauert Stunden

Speerfischen (für klares, flaches Wasser):
Speer bauen: Langer Stock (2m), Ende angespitzt, im Feuer gehärtet
Technik:
1. Langsam durchs Wasser bewegen (keine Schatten auf dem Wasser!)
2. Fisch anvisieren
3. Schnell zustoßen (Lichtbrechung beachten: Fisch ist tiefer als er scheint!)
Schwierigkeit: Hoch (braucht Übung + gute Reflexe)
Erfolgsrate: Niedrig für Anfänger

Netz/Tuch (Treibnetz-Methode):
Material: T-Shirt, Moskitonetz, dünner Stoff
Technik:
1. Stoff zwischen zwei Stöcken spannen
2. In flachem Wasser (Bach) quer zur Strömung platzieren
3. Zweite Person scheucht Fische von oben ins Netz (Steine werfen, stampfen)
Vorteil: Funktioniert für kleine Fische (Elritzen, junge Forellen)
Die besten Angel-Stellen finden Wo halten sich Fische auf?

Ruhige Stellen (Fische sparen Energie):
• Hinter Steinen (Strömungsschatten)
• Unter überhängenden Ästen/Wurzeln (Schutz vor Vögeln)
• An tiefen Stellen (Kühle im Sommer, Wärme im Winter)
• In Buchten (wenig Strömung)

Nahrungsreiche Stellen:
• Einmündungen von Bächen (bringen Nahrung)
• Unter Büschen/Bäumen (Insekten fallen ins Wasser)
• Schilf/Wasserpflanzen (Insektenlarven)

Tageszeit beachten:
Morgens (Dämmerung): Beste Zeit! Fische jagen aktiv
Mittags (Sonne hoch): Fische in tiefem/schattigem Wasser (träge)
Abends (Dämmerung): Zweite Fressphase
Nachts: Nur Raubfische (Aal, Wels) aktiv

Wetter:
Bedeckt/leichter Regen: Ideal (Fische fühlen sich sicher)
Voller Sonnenschein: Schwierig (Fische sehen den Schatten)
Nach Gewitter: Gut (Sauerstoff im Wasser, Insekten im Wasser gespült)
Fisch richtig töten & ausnehmen Töten (schnell & human):
1. Betäubung: Schlag mit einem Stock/Stein auf den Kopf (zwischen den Augen) – kraftvoll!
2. Kiemenschnitt: Messer hinter die Kiemen einstechen, nach vorne ziehen (Hauptschlagader) → Fisch blutet aus
3. Wichtig: Nicht quälen lassen! Ein sauberer Schlag + Schnitt = Tod in Sekunden

Ausnehmen (Feld-Methode):
1. Fisch auf den Rücken legen
2. Messer am After ansetzen, vorsichtig zum Kopf schneiden (nur Haut, nicht tief = Innereien bleiben ganz)
3. Bauchhöhle öffnen, Innereien mit Fingern rausziehen
4. Kiemen entfernen (bitter beim Kochen)
5. Schwarze Haut an Wirbelsäule auskratzen (Niere – bitter)
6. Mit Wasser ausspülen (falls verfügbar)

Schuppen entfernen (optional):
• Mit Messerrücken von Schwanz zu Kopf schaben
• Oder: Mit Löffelrand
Alternative: Fisch mit Haut grillen, Haut nach dem Garen abziehen (einfacher)

Haltbarmachung (wenn du nicht sofort isst):
Räuchern: Über Rauch aufhängen (12-24h) – trocknet aus, hält 1 Woche
Trocknen: In dünne Streifen schneiden, in Sonne/über Feuer hängen
Kalt lagern: In den Bach hängen (im Netz/Beutel) – hält 1-2 Tage
Häufige Fehler ❌ Zu dicke Schnur (Fische sehen sie → keine Bisse)
❌ Schatten aufs Wasser werfen (Fische erschrecken)
❌ Ungeduld (nach 5 Minuten aufgeben) – Angeln braucht Zeit!
❌ Zu viel Bewegung am Ufer (Vibrationen verscheuchen Fische)
❌ Köder zu groß (Haken sollte halb versteckt sein)
❌ Falsche Stelle (offenes Wasser = keine Fische, sie suchen Deckung)
❌ Bei Biss sofort ziehen (Fisch spuckt den Köder aus) → kurz warten, dann rucken
⚠️ Sicherheit & Hygiene:
• Fisch NUR durchgegart essen (Parasiten!). Mindestens 10 Minuten kochen/grillen
• Roher Fisch = Bandwürmer, Leberegel → extremes Risiko
• Hände nach Ausnehmen waschen (Bakterien)
• Fischreste weit weg vom Lager entsorgen (zieht Bären/Wildschweine an)
• In stehenden Gewässern: Fische können Giftstoffe enthalten → besser fließende Gewässer
💡 Profi-Tipp: Pack eine kompakte Angel-Kit in deinen Notfall-Rucksack: 20m Angelschnur (0,2mm), 5 Haken (Gr. 6-10), 3 Wirbel, kleine Bleie, Paracord. Wiegt 50g, kostet 10€, kann dich Wochen ernähren. Auch eine zusammenklappbare Taschenrute (Teleskop, 1m lang) passt in jeden Rucksack.
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9. Hygiene im Feld

Feldhygiene: Waschen und Latrinenbau
Warum Hygiene überlebenswichtig ist Historische Fakten:
• Im 1. Weltkrieg starben mehr Soldaten an Infektionen (Typhus, Cholera, Ruhr) als durch Kampfhandlungen
• Im 2. Weltkrieg: 50% der Ausfälle durch Krankheiten (Fußpilz, Durchfall, Wundinfektionen)
• In Katastrophengebieten (Erdbeben, Überschwemmungen): Seuchen töten mehr Menschen als das Ereignis selbst

Warum ist das so?
• Kein fließendes Wasser → Bakterien breiten sich aus
• Abfall und Fäkalien und stehendes Wasser = ideale Krankheits-Umgebung
• Kleine Wunden infizieren sich → Blutvergiftung → Tod (ohne Antibiotika)
• Durchfall → Dehydrierung → Tod in 2-3 Tagen (besonders gefährlich!)

Die Lösung: Disziplin. Hygiene ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Täglich 10 Minuten Hygiene können dein Leben um Wochen verlängern.
Körperhygiene ohne fließendes Wasser Die kritischen Zonen (täglich reinigen!):

1. Füße:
Warum: Blasen → offene Wunden → Infektion → Unfähigkeit zu gehen
Routine:
- Schuhe und Socken JEDEN Abend ausziehen (auch wenn Du müde bist!)
- Füße mit Wasser waschen (oder feuchtem Tuch abwischen)
- Zwischen Zehen trocknen (Pilze lieben Feuchtigkeit)
- Socken wechseln (oder alte trocknen, während du Ersatz trägst)
- Schuhe lüften (nicht sofort wieder anziehen)
Notlösung ohne Wasser: Füße mit Sand abreiben (Schmutz/Schweiß wird absorbiert), dann ausschütteln

2. Schritt/Genitalbereich:
Warum: Feuchtigkeit und Reibung fördert Pilzinfektionen, Wundsein, Harnwegsinfekte
Routine:
- Täglich mit Wasser waschen (oder feuchtes Tuch)
- Gut abtrocknen (Luft trocknen lassen, wenn möglich)
- Unterwäsche wechseln (alle 2 Tage minimum)
Frauen (Menstruation):
- Stoffbinden aus T-Shirt-Streifen (waschbar, wiederverwendbar)
- Monatshygiene-Artikel im Notfall-Pack (10 Tampons wiegen 50g!)
- Wechseln alle 4-6h (Infektion vermeiden)

3. Achselhöhlen:
Warum: Schweiß ist ein Bakterienherd → Hautausschläge, Geruch (zieht Insekten an)
Routine: Mit Wasser waschen, trocknen
Alternative: Mit Blättern/Gras abreiben (entfernt Schweiß mechanisch)

4. Hände:
Warum: Du fasst Essen, Wunden, Mund an → Bakterienübertragung
Routine:
- VOR jeder Mahlzeit waschen (minimum: mit Wasser)
- NACH Toilettengang waschen
- NACH Tierkontakt (Fisch ausnehmen, Fell anfassen)
Ohne Seife: Mindestens 20 Sekunden mit Wasser reiben (mechanisch Dreck lösen)

Ganzkörper-Wäsche (wenn möglich, alle 3-5 Tage):
• Suche flaches Gewässer (Bach, See)
• Mit Sand/Kies abreiben (natürliches Peeling, löst Schmutz)
• NICHT mit Seife im Gewässer waschen (Umweltverschmutzung und illegal)
• Alternative: "Katzenwäsche" – Körper mit feuchtem Tuch abwischen (abschnittsweise)
Improvised Seife & Reinigungsmittel Holzasche-Seife (alte Methode, funktioniert!):
Wie funktioniert das? Asche enthält Kaliumcarbonat = basisch = löst Fett (wie Seife)
Herstellung:
1. Weiße Asche aus komplett verbranntem Holz nehmen (keine Kohlereste!)
2. Mit etwas Wasser zu Paste mischen
3. Auf Hände/Körper auftragen, abreiben
4. Mit klarem Wasser abspülen
Vorteil: Fettlösend, antibakteriell (basisch)
Nachteil: Trocknet Haut aus (sparsam verwenden)
Nicht verwenden bei offenen Wunden! (brennt stark)

Seifenkraut (Saponaria officinalis):
Erkennung: Rosa Blüten, wächst an Wegrändern/Flussufern
Nutzung:
1. Wurzeln ausgraben, waschen
2. Zerkleinern, in Wasser geben
3. Reiben/Schütteln → schäumt (enthält Saponine = natürliche Seife)
4. Zum Waschen nutzen
Vorteil: Natürlich, hautfreundlich
Verfügbarkeit: Nur in Europa, nicht überall

Sand/Erde als Reinigungsmittel:
Für Hände: Feiner Sand und Wasser = Peeling-Effekt (Schmutz wird abgerieben)
Für Geschirr: Sand in Topf, mit Wasser schrubben (löst Essensreste)
Für Körper: Trockener Sand auf Haut reiben (absorbiert Öl/Schweiß), dann abbürsten

Blätter als "Toilettenpapier-Ersatz":
Geeignet: Große, glatte Blätter (Ahorn, Buche, Klette)
NICHT verwenden:
- Brennnessel (offensichtlich)
- Efeu (giftig, Hautausschlag)
- Eichenblätter (rau, Splitter)
- Dreigeteilte Blätter (oft giftig – Poison Ivy in USA)
Alternative: Glatte Steine, Moos (feucht), Schnee, Wasser (linke Hand waschen danach!)
Latrine richtig anlegen Warum eine Latrine?
• Fäkalien = Krankheitserreger (E.coli, Cholera, Hepatitis, Würmer)
• Offene Defäkation = Fliegen verbreiten Bakterien aufs Essen
• Geruch zieht Tiere an (Wildschweine, Bären)
• Grundwasser kann verseucht werden

Standortwahl (KRITISCH!):
Mindestens 50 Meter vom Lager (Geruch, Fliegen)
Mindestens 100 Meter von Gewässern (Bach, See, Quelle) – sonst Wasservergiftung!
Bergab vom Lager (Regen spült Erreger vom Lager weg, nicht hin)
Nicht in Senken (sammelt Regenwasser → Fäkalien schwimmen)
Windrichtung beachten (Geruch soll weg vom Lager ziehen)

Typen von Latrinen:

1. Katzen-Loch (für 1-2 Tage):
• Einfachste Methode
Bauweise:
1. Loch graben: 15-20cm tief, 10cm Durchmesser
2. Geschäft verrichten
3. Sofort mit Erde zuschütten
4. Nächstes Mal: Neues Loch (5m weiter)
Vorteil: Schnell, hygienisch (Erde isoliert Geruch)
Nachteil: Nur für Einzelpersonen/kurze Zeit

2. Graben-Latrine (für Gruppen / länger als 3 Tage):
Bauweise:
1. Graben ausheben: 1m lang, 30cm breit, 50cm tief
2. Ausgehobene Erde daneben lagern
3. Zwei Stöcke parallel über Graben legen (zum Hinhocken)
4. Nach Benutzung: Schaufel Erde in Graben werfen (bedeckt Fäkalien)
5. Wenn Graben 3/4 voll: Komplett zuschütten, neuen Graben graben
Upgrade: Sichtschutz aus Ästen/Tarp (Privatsphäre)

3. Tiefenlatrine (für lange Aufenthalte / Gruppen):
Bauweise:
1. Tiefes Loch: 1m Durchmesser, 1,5-2m tief (braucht Werkzeug!)
2. Balken/Brett über Loch legen (mit Loch in der Mitte zum Sitzen)
3. Deckel drauf (hält Fliegen fern)
4. Nach jeder Benutzung: Asche/Erde reinwerfen
Vorteil: Hält Wochen/Monate
Nachteil: Aufwendig

Hygiene an der Latrine:
Hände waschen danach! (mit Wasser minimum, besser mit Seife/Asche)
Fliegen fernhalten: Deckel/Brett über Öffnung, nach Benutzung sofort Erde drüber
Toilettenpapier:
- Verbrennen (in Feuerstelle, nicht in Latrine – brennt nicht vollständig)
- Oder mit vergraben (verrottet langsam)
- NICHT in der Natur liegenlassen (Tiere fressen es, verteilen Bakterien)
Kleidung & Ausrüstung sauber halten Wäsche waschen (ohne Waschmaschine):
Methode 1 – Flusswäsche:
1. Kleidung in fließendem Wasser einweichen (10 Minuten)
2. Mit Händen/Steinen aneinander reiben (mechanisch reinigen)
3. Auswringen, in Sonne trocknen
4. Keine Seife ins Gewässer! (Umweltverschmutzung)
Methode 2 – Eimer-Wäsche (mit Seife):
1. Behälter (Topf, Eimer, Plastikbeutel) mit Wasser füllen
2. Asche/Seife rein, Kleidung einweichen
3. Kneten/Reiben (5-10 Minuten)
4. Mit klarem Wasser ausspülen
5. Auswringen, aufhängen
Schnelltrocknung: An Sonne/Wind aufhängen (Baumzweige, Schnur spannen)
Desinfektion (bei Krankheit): Kleidung 10 Minuten in kochendem Wasser (tötet Bakterien/Parasiten)

Socken (das wichtigste Kleidungsstück!):
Rotation: Mindestens 2 Paar mitführen (eins tragen, eins trocknen)
Täglich wechseln! (auch wenn sie "noch gehen")
Trocknen: An Rucksack außen befestigen (beim Laufen trocknet es), NICHT innen (Schimmel)
Nässe-Notfall: Socken auswringen, in Hosenbund stecken (Körperwärme trocknet sie)

Schuhe pflegen:
Trocknen: Steine/Gras reinstopfen (saugt Feuchtigkeit), NICHT direkt ans Feuer (Leder/Kunststoff schmilzt)
Dreck entfernen: Täglich mit Stock auskratzen (verhindert Scheuerstellen)
Improvisation bei Löchern: Innensohle aus Baumrinde schneiden, Löcher mit Stoff/Klebeband flicken

Schlafsack / Decken:
Täglich lüften: Ausbreiten, Sonne/Wind trocknen lassen (Schweiß verdunstet)
Nicht in feuchtem Zustand einpacken! (Schimmel in 2 Tagen)
Gegen Ungeziefer: Über Rauch hängen (Milben/Flöhe sterben ab)
Zahn- & Mundhygiene Warum wichtig?
• Karies → Zahnschmerzen → Konzentrationsverlust, Schlaflosigkeit
• Zahnfleischentzündung → Blutvergiftung (ohne Behandlung tödlich)
• In Survival: Kein Zahnarzt erreichbar → Prävention ist alles

Zähneputzen ohne Zahnbürste:
Methode 1 – Kau-Stöckchen:
1. Weiden-, Birken- oder Haselnuss-Zweig (15cm, bleistiftdick)
2. Rinde am Ende abschälen (2cm)
3. Ende zerkauen (bildet bürstenartige Fasern)
4. Über Zähne reiben (mechanisch reinigen)
5. Alle 2 Tage neues Stöckchen
Methode 2 – Finger und Sand/Asche:
1. Finger in feinen Sand/weiße Asche tauchen
2. Über Zähne reiben (wie mit Zahnpasta)
3. Mund ausspülen
4. Vorsicht: Nicht zu grob (Zahnschmelz kratzen)
Methode 3 – Salzwasser (als Mundspülung):
1. 1 TL Salz in Tasse Wasser auflösen
2. Mund spülen (30 Sekunden), ausspucken
3. Wirkt antibakteriell

Zahnseide improvisieren:
• Paracord-Innenlitze (dünn, reißfest)
• Faden aus Kleidung ziehen
• Tierische Sehne (nach Kochen = weich)

Zahnschmerzen (Notfall-Behandlung):
Nelkenöl: Betäubt (falls im Erste-Hilfe-Set)
Salzwasser-Spülung: Reduziert Entzündung
Knoblauch/Zwiebel: Auf Zahn legen (antibakteriell, aber brennt)
Schmerzmittel: Ibuprofen (falls vorhanden)
Bei Abszess (Schwellung): NICHT aufstechen! → Blutvergiftung. Warm spülen, Hilfe suchen
Schutz vor Ungeziefer & Parasiten Läuse (Kopf/Körper):
Vorbeugung: Haare kurz halten, Kleidung täglich wechseln
Bekämpfung:
- Kleidung/Decken in kochendes Wasser (10 Minuten = Läuse sterben)
- Über Rauch hängen (Hitze tötet Eier)
- Essig in Haare einmassieren (löst Eier-Klebstoff)
- Haare kämmen mit feinzinkigem Kamm (entfernt Läuse mechanisch)

Flöhe:
Quelle: Tiere (Mäuse, Ratten, Vögel im Shelter)
Bekämpfung:
- Shelter regelmäßig neu mit frischem Material (altes verbrennen)
- Kleidung/Schlafsack über Rauch (Flöhe springen ab)
- Lavendel/Pfefferminze ins Lager (natürlicher Repellent)

Zecken:
Vorbeugung:
- Lange Kleidung (Hosenbeine in Socken stecken)
- Helle Kleidung (Zecken besser sichtbar)
- Täglich ganzen Körper absuchen (Kniekehlen, Achseln, Haaransatz)
Entfernung:
- Pinzette nah an Haut greifen, gerade rausziehen
- NICHT drehen, quetschen, ölen

Bettwanzen (in bewohnten Ruinen):
Erkennung: Kleine Blutflecken auf Stoff, Juckreiz nachts
Bekämpfung: Fast unmöglich ohne Chemie → Lager verlassen, alles wegwerfen/kochen

Mücken/Fliegen:
Abwehr:
- Rauch (Fliegen hassen Rauch – Lagerfeuer hilft)
- Moskitonetz über Schlafplatz
- Schlamm auf Haut (deckt Geruch ab, kühlt auch)
- Nicht in Wassernähe schlafen (Brutstätte)
Häufige Fehler ❌ "Ist doch nur ein Tag, Hygiene ist egal" → Falsch! Blasen entstehen in Stunden
❌ Latrine zu nah am Lager (Fliegen, Geruch, Krankheiten)
❌ Wasser aus Gewässer trinken, wo du dich gewaschen hast (Verunreinigung)
❌ Nasse Socken weiter tragen ("trocknen beim Laufen") → Blasen garantiert
❌ Hände nicht waschen vor dem Essen ("sehe ich keine Dreck") → Bakterien sind unsichtbar
❌ Kleidung in feuchtem Zustand einpacken → Schimmel in 48h
❌ Shelter mit Tierfellen isolieren (ohne vorherige Reinigung) → Parasiten-Befall
⚠️ KRITISCHE REGEL:
Durchfall ist in der Wildnis LEBENSGEFÄHRLICH. Du verlierst Wasser schneller, als du es beschaffen kannst. Ursache: Schmutziges Wasser, ungewaschene Hände, rohes Essen.

Bei Durchfall:
• Sofort mehr trinken (doppelte Wassermenge)
• Salzwasser trinken (1 TL Salz / Liter = ORS-Ersatz, verhindert Elektrolytverlust)
• Kohletabletten (falls vorhanden) – binden Giftstoffe
• Kein festes Essen (belastet Darm), nur Brühe/Wasser
• Wenn es nach 2 Tagen nicht besser wird → Such Hilfe (Dehydrierung tödlich!)
💡 Profi-Tipp: Pack eine "Hygiene-Notfall-Tasche" (wiegt 200g): Kleine Seife (20g), Zahnbürste, 10 Feuchttücher, Nagel schere, Kamm, Mikrofaser-Handtuch (30x30cm). Dazu: 1 Rolle Klopapier in Ziplock-Beutel (wasserdicht). Kostet 10€, rettet deine Moral und Gesundheit über Wochen.
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10. Einfache Waffen und Werkzeuge bauen

Improvisierte Werkzeuge: Hammer und Grabstock
Warum Werkzeuge dein Überleben sichern Der Mensch ohne Werkzeug:
• Keine Krallen (Raubtiere haben welche)
• Keine Reißzähne (Fleischfresser haben welche)
• Schwache Muskelkraft im Vergleich zu Affen/Bären
• Langsam im Vergleich zu allen Beutetieren
Aber: Intelligenz und Werkzeugnutzung bedeutet Dominanz über alle Arten

Was Werkzeuge leisten:
Hebelwirkung: Graben, Hebeln, Brechen (Grabstock, Brecheisen-Ersatz)
Kraftverstärkung: Ein Hammer verstärkt Schlagkraft um Faktor 10
Reichweite: Der Speer gibt dir 2m Abstand zu gefährlichen Tieren
Präzision: Ein Messer schneidet besser als Zähne
Effizienz: Mit einer Axt baust du in 1h einen Shelter, der mit Händen 6h dauert

Prioritäten-Liste (was zuerst bauen?):
1. Grabstock (wichtigstes Werkzeug überhaupt)
2. Messer-Ersatz (Schneiden ist essentiell)
3. Hammer/Keil (Holz spalten, Nägel schlagen)
4. Axt-Ersatz (Bäume fällen, grobe Arbeit)
5. Verteidigungswaffen (Speer, Knüppel)
6. Jagdwaffen (nur wenn Nahrung kritisch wird)

Der Grabstock (Digging Stick) – Das Universal-Werkzeug Warum ist er so wichtig?
Der Grabstock ist das erste Werkzeug der Menschheit (vor 2 Mio Jahren). Er ist Werkzeug, Waffe, Hebel und Gehstock in einem. Ohne ihn bist du hilflos.

Bauanleitung:
1. Holzwahl: Harter Ast (Eiche, Buche, Esche), ca. hüfthoch (1,2-1,5m), armdick (4-5cm Durchmesser)
2. Form: Relativ gerade, ohne große Astgabelungen
3. Spitze formen:
• Mit einem Messer/Stein ein Ende anspitzen (Kegelform, 15-20cm lang)
• Winkel: Ca. 30-45° (nicht zu spitz = bricht ab, nicht zu stumpf = gräbt schlecht)
4. Härten (wichtigster Schritt!):
• Die Spitze langsam über der Glut drehen (NICHT in Flamme – verkohlt!)
• Das Holz wird dunkelbraun/schwarz (Wasser verdunstet, Holz härtet aus)
• Dauert 10-15 Minuten (Geduld!)
• Ergebnis: Härte wie ein Knochen, splittert aber nicht
5. Griff: Oberes Ende glatt schnitzen (bequem zu halten)

Verwendung:
Graben: Nach Wurzeln, Löcher für Shelter-Pfosten, Latrine
Hebeln: Steine verschieben, Baumstämme rollen
Verteidigung: Schlagwaffe (1,5m Reichweite = besser als Faust)
Stützstock: Beim Wandern/Klettern
Transportstange: Traglast an beiden Enden, auf Schulter
Feuerschüren: Glut bewegen ohne Verbrennung

Pro-Upgrade:
Die Spitze mit einem Stein verstärken: Einen flachen Feuerstein mit Schnur an der Spitze festbinden (noch härter, gräbt in Lehmboden)
Gabelung nutzen: Ast mit natürlicher Gabelung = eingebauter Hebel

Messer-Ersatz aus Stein (Steinzeitklinge) Warum Stein?
• Feuerstein, Obsidian, Quarz sind schärfer als Stahl (molekular betrachtet!)
• In der Natur überall zu finden
• Nicht rostend, nicht zerbrechend bei korrekter Nutzung

Steinarten (geeignet):
Feuerstein (Flint): Grau/schwarz, glänzend, splittert scharfkantig (beste Wahl)
Obsidian: Vulkanisches Glas, pechschwarz, extrem scharf (selten in Deutschland)
Quarz: Durchsichtig/weiß, hart, splittert scharfkantig
Schiefer: Spaltet in dünne Platten (messerscharfe Kanten)

Methode 1 – Abschlagen (einfachste Technik):
1. Großen Feuerstein als "Amboss" nutzen (faustgroß, flach)
2. Zweiten Stein als "Hammer" verwenden (rund, handlich)
3. Schlage mit dem Hammer am Rand des Amboss-Steins (nicht mittig!)
4. Absplitterungen sind messerscharf (Vorsicht!)
5. Wähle die längsten Splitter aus (5-10cm)
6. Umwickle ein Ende mit Stoff/Paracord (= Griff, verhindert Schnittverletzung)

Methode 2 – Schleifen (zeitaufwendig, aber präziser):
1. Flachen Stein finden (Schiefer, flacher Feuerstein)
2. An grobem Sandstein/Betonbrocken schleifen (1-2 Stunden!)
3. Kante entsteht durch einseitiges Schleifen (Winkel ca. 20°)
4. Mit feinem Sand/Wasser nachpolieren (schärft nach)
5. Griff umwickeln

Verwendung:
Schneiden: Fleisch, Pflanzenfasern, Schnüre
Schaben: Tierfelle abkratzen, Holz glätten
Bohren: Mit spitzem Stein + Drehbewegung Löcher in Holz/Leder
NICHT: Hebeln (bricht!), Hacken (splittert)

Alternative – Metall aus Müll:
Konservendosen-Deckel: Flach hämmern, an Stein schleifen = scharfe Klinge
Glas-Scherben: Von zerbrochenen Flaschen (extrem scharf, aber brüchig)
Sägeblätter: Alte Metallsägen (falls in Ruinen gefunden)

Hammer & Keil (Holz spalten ohne Axt) Das Problem:
Ohne Axt kannst du keine dicken Äste spalten (für Feuerholz, Shelter-Pfosten). Lösung: Hammer und Keil = "Batoning" (Holz-Spalt-Technik).

Der Hammer:
Material: Runder, schwerer Stein (kopfgroß, 1-3 kg) ODER dicker Holzknüppel (Hartholz, armsdick)
Form: Sollte gut in Hand liegen, nicht zu rund (rollt weg)
Test: Lässt sich fest greifen? Hat Gewicht für Schlagkraft?

Der Keil:
Material: Harter, flacher Stein (dreieckig) ODER hartes Holzstück (Eiche, Esche)
Form: Keilform (eine Seite dünn = Eindringseite, andere breit = Schlagfläche)
Holzkeil schnitzen:
1. Hartes Holz (20cm lang, 5cm breit an der Basis)
2. Zu Keil formen (flache Dreiecksform)
3. Spitze im Feuer härten

Batoning-Technik (Holz spalten):
1. Holzstück senkrecht aufstellen (auf stabilem Untergrund – Baumstumpf, Stein)
2. Den Keil an der Spaltstelle ansetzen (am besten vorhandene Risse nutzen)
3. Mit dem Hammer auf den Keil schlagen (mehrere kräftige Schläge)
4. Der Keil dringt ein → das Holz spaltet sich
5. Falls der Keil steckenbleibt: Zweiten Keil daneben setzen, weiterschlagen
6. Vorteil: Schont dein Messer (nicht als Keil missbrauchen = Klinge bricht!)

Alternative Verwendungen:
Hammer: Pfähle in Boden schlagen, Nüsse knacken, Knochen zertrümmern (Mark gewinnen), Feuerstein bearbeiten
Keil: Türen aufbrechen, Steine spalten, als Messer-Ersatz

Axt-Ersatz (Steinbeil) Warum eine Axt?
Kleine Äste kann man brechen, aber dicke Bäume fällen oder große Holzstücke bearbeiten braucht eine Schneide mit Hebelwirkung.

Bauanleitung – Steinbeil:
1. Axtkopf (Stein):
• Einen flachen, harten Stein finden (Faustgroß, oval, ca. 500g-1kg)
• Eine Seite schärfen (durch Abschlagen oder Schleifen an Sandstein)
• Nicht zu dünn (bricht!), nicht zu dick (schneidet schlecht)
2. Schaft (Griff):
• Ein Ast mit natürlicher Gabelung (Y-Form oder T-Form)
• Länge: Unterarmlang (40-50cm)
• Hartholz: Eiche, Esche, Hasel
3. Befestigung:
Methode A – Gabelung:
- Den Stein in die Gabelung klemmen (passt perfekt in Y-Form)
- Mit Schnur/Paracord mehrfach umwickeln (kreuzweise, sehr fest!)
- Mit Harz/Baumharz zusätzlich fixieren (wasserresistent)
Methode B – Einkerben:
- Eine Kerbe in Holz schnitzen (passend für Stein)
- Den Stein einlegen, mit nasser Schnur umwickeln (trocknet = zieht sich zusammen = sehr fest)
- Harz auftragen
4. Härten: Schnur + Harz über Feuer erwärmen (Harz schmilzt, dringt in Holz ein, härtet aus)

Verwendung:
Bäume fällen: Kleine Bäume (bis 10cm Durchmesser) – Rundherum einkerben, dann umdrücken
Äste abtrennen: Schräg auf Ast schlagen (nicht senkrecht = Klinge bleibt stecken)
Holz spalten: Wie Axt, aber weniger effizient als Keil-Methode
NICHT: Graben (nutze Grabstock), Hebeln (bricht)

Moderne Alternative – Tomahawk aus Metall:
• Alter Rohrabschnitt (Stahl), ein Ende flach hämmern + schleifen
• An Holzgriff schweißen/nieten (wenn Werkzeug vorhanden ist)
• Oder fertiges Camping-Beil (500g, 30€) im Rucksack mitnehmen

Speer (Jagd & Verteidigung) Warum einen Speer statt einen Knüppel?
Reichweite: 2-3m Abstand zu Tier/Angreifer (Knüppel = 1m)
Durchschlagskraft: Die Spitze konzentriert die Kraft auf einen kleinen Punkt
Mehrzweck: Jagen, Verteidigen, Stützstock, Hebearm

Typ 1 – Einfacher Holzspeer (schnellste Methode):
1. Schaft: Gerader Ast, 2-2,5m lang, daumendick (Weide, Hasel, Esche)
2. Spitze formen: Ein Ende mit Messer/Stein anspitzen (Kegelform, 20-30cm lang)
3. Härten: Die Spitze über Glut drehen (10-15 Minuten) bis sie dunkelbraun ist
4. Vorteil: In 30 Minuten gebaut
5. Nachteil: Die Spitze bricht leicht an bei einem Aufprall auf Knochen

Typ 2 – Gabelspeer (für Fische!):
1. Schaft wie oben
2. Die Spitze spalten: Das Ende 20cm tief spalten (Kreuzförmig = 4 Zinken)
3. Kleine Stöckchen zwischen die Zinken stecken (hält gespalten)
4. Die Zinken anspitzen und härten
5. Vorteil: Größere Trefferfläche (Fische entwischen schwerer)
6. Verwendung: Im flachen Wasser zustoßen (Fisch wird zwischen die Zinken geklemmt)

Typ 3 – Speer mit Steinspitze (effektivste Variante):
1. Schaft + Holzspitze wie Typ 1
2. Die Spitze anbringen:
• Scharfer Feuerstein (pfeilspitzen-Form) – durch Abschlagen formen
• Eine Kerbe ins Speer-Ende schnitzen (so dass der Stein rein passt)
• Den Stein einlegen, mit Schnur und Harz fixieren
3. Vorteil: Durchdringt Tierfell und Fleisch (Holz allein ist oft zu stumpf)
4. Nachteil: Aufwendig (2-3 Stunden Bauzeit)

Wurftechnik (Jagd):
Speer-Werfen:
- Balance-Punkt finden (wo ist der Speer waagerecht balanciert?)
- Hand dort greifen
- Über der Schulter anlegen, Schwung holen und schleudern (wie Speer-Wurf)
- Effektive Reichweite: 10-15m (Training erforderlich!)
Erfolgsrate: Sehr niedrig für Anfänger (Tiere sind schnell)
Besser: Als Stoßwaffe nutzen (bei Verteidigung gegen ein Wildschwein/Hund)

Verteidigung gegen Tiere:
Hund/Wolf: Speer horizontal halten (beide Hände), auf Schnauze zielen (Tier weicht zurück)
Wildschwein: Speer schräg in Boden rammen (Spitze zeigt zum Tier), Tier läuft rein (altes Jagd-Prinzip)
NICHT werfen zur Verteidigung! (Du stehst sonst ohne Waffe da)

Knüppel/Keule (Nahkampf-Waffe) Warum ein Knüppel?
Einfach, aber brutal effektiv. Kein Werkzeug nötig, überall zu finden. Schlagkraft eines Knüppels (50-70 km/h Schwung) kann einen Schädel spalten.

Bauanleitung:
1. Holzwahl: Hartholz (Eiche, Esche, Weißdorn), armlang (60-80cm), unterarmdick (Griff) bis armdick (Schlagseite)
2. Form: Natürlicher "Knauf" am Ende (dickeres Ende = mehr Masse = mehr Schlagkraft)
3. Griff: Dünneres Ende glatt schnitzen, evtl. Schnur umwickeln (rutschfest)
4. Optional – Beschwerung:
• Kerbe ins Knauf-Ende schnitzen
• Schweren Stein reinlegen, mit Schnur und Harz fixieren
• Erhöht die Schlagkraft (Keule wird kopflastig)

Verwendung:
Nahverteidigung: Schwingen wie ein Baseball-Schläger (Ziel: Kopf, Knie)
Jagd (Kleinwild): Kaninchen, Vögel (mit Wurf erschlagen)
Werkzeug: Pfähle einschlagen, Nüsse knacken

Kampftechnik (Grundlagen):
Schwingen: Seitlich schwingen (mehr Kraft als von oben)
Zielen: Knie (der Angreifer fällt), Kopf (Vorsicht: kann tödlich sein!), Handgelenk (Waffe fällt)
Deckung: Knüppel horizontal vor Körper und Gesicht halten (blockt Schläge)
NICHT: Wilde Schwünge (Gleichgewichtsverlust) – besser kurze, kontrollierte Schläge

Schleuder (Distanzwaffe) Warum eine Schleuder?
• Leicht zu bauen (10 Minuten)
• Munition überall verfügbar (Steine)
• Effektive Reichweite: 20-30m (mit Übung 50m)
• Historisch: David vs. Goliath – eine Schleuder kann töten

Bauanleitung – David-Schleuder:
1. Materialien:
• 2 Schnüre (Paracord, Leder, Pflanzenfaser), je 50-60cm lang
• 1 Stoffstück (Tasche für Stein), 8x8cm
2. Tasche bauen:
• Stoff in der Mitte falten
• An beiden Enden je eine Schnur festknoten
• Eine Schnur: Schlaufe am Ende (für Finger)
• Andere Schnur: Knopf/Knoten am Ende (zum Loslassen)
3. Fertig!

Verwendung:
1. Stein (hühnereigroß, rund) in die Tasche legen
2. Schlaufe über den Mittelfinger ziehen
3. Andere Schnur zwischen Daumen und Zeigefinger halten
4. Schleuder über den Kopf kreisen (3-5x für ordentlich Schwung)
5. Im Moment des Schleuderns: Schnur loslassen (Stein fliegt)
6. Timing ist alles! (braucht viel Übung)

Ziele:
Jagd: Vögel, Kaninchen (Kopftreffer = K.O.)
Verteidigung: Angreifer auf Distanz halten (schmerzhaft und ablenkend)
Signale: Steine gegen Metall/Holz werfen (Lärm = Aufmerksamkeit)

Alternative – Y-Schleuder (Steinschleuder):
1. Rahmen: Ast mit natürlicher Y-Form (Gabelung)
2. Gummi: Fahrradschlauch (2 Streifen, 15cm lang) ODER elastisches Band
3. Tasche: Lederstück (3x3cm), an beiden Gummis befestigen
4. Verwendung: Tasche zurückziehen, loslassen → Stein fliegt
5. Vorteil: Einfacher zu zielen als David-Schleuder
6. Nachteil: Braucht Gummi (nicht immer verfügbar)

Pfeil & Bogen (fortgeschritten) Realität-Check:
Einen funktionalen Bogen zu bauen ist schwer. Es dauert Tage und braucht Erfahrung. Bogenschießen braucht Monate Training. Im Survival: Zeitverschwendung für Anfänger. Aber wenn du Zeit hast:

Bauanleitung – Primitiv-Bogen:
1. Holz: Junger Ast (Eibe, Esche, Ulme), 1,5-1,8m lang, armdick, möglichst gerade, biegsam
2. Form: Gleichmäßig dick (nicht verjüngen – zu kompliziert)
3. Sehne: Paracord, Pflanzenfaser (geflochten), Tiersehne (getrocknet)
4. Kerben: An beiden Enden kleine Kerben schnitzen (Sehne einhaken)
5. Spannen: Bogen leicht biegen, Sehne einhängen (Spannung: Faustbreit Abstand zwischen Sehne und Griff)
6. Test: Langsam spannen, auf Risse prüfen (falls etwas bricht neuen Bogen bauen)

Pfeile bauen:
1. Schaft: Gerader Ast (Hasel, Weide), 60-80cm lang, fingerdick
2. Spitze: Angespitzt und gehärtet ODER Feuerstein-Spitze (in Kerbe + Harz fixiert)
3. Befiederung: 3 Federn (Gans, Ente), mit Schnur ans Ende binden (stabilisiert den Flug)
4. Kerbe: Kleine Kerbe ans Ende einschnitzen (für Sehne)

Schießen:
• Pfeil auflegen, Sehne spannen (bis Kinn), Zielen, loslassen
Effektive Reichweite (Primitiv-Bogen): 10-20m
Tödlich gegen: Rehe, Wildschweine (mit perfektem Treffer – unrealistisch ohne Training)
Realistisch: Fische (im Wasser), Vögel (wenn sie still sitzen)

Warum ist es so schwierig?
• Bogen muss symmetrisch biegen (sonst bricht er oder der Pfeil fliegt schief)
• Sehne muss exakte Spannung haben
• Pfeile müssen gerade sein (sonst trudeln sie)
• Zielen braucht Muskelgedächtnis (Hunderte Schüsse Training)

Alternative – Armbrust (leichter zu zielen):
• Noch komplexer zu bauen (Abzugsmechanismus)
• Vorteil: Kann gespannt halten (Bogen muss im Moment gespannt werden)
• Nachteil: Braucht Metallteile (Trigger)

Fallen (passive Jagd – besser als aktive Jagd!) Warum Fallen?
• Du schläfst → Falle arbeitet
• Wenig Energie verbrauchen (Jagen ist schonender als stundenlang laufen)
• Höhere Erfolgsrate als Speerwurf/Bogenschuss
• Mehrere Fallen = mehrere Chancen

⚠️ RECHTSLAGE (Deutschland):
Fallenjagd ist verboten (Tierschutzgesetz, Jagdgesetz). Strafe: Bis 25.000€ und Freiheitsstrafe. Dieses Wissen ist NUR für echte Survival-Notlagen gedacht, nicht für ein Hobby!

Typ 1 – Schlingenfalle (einfachste Falle):
1. Material: Dünner Draht ODER Paracord-Innenlitze ODER Angelschnur
2. Schlinge formen: Laufknoten (zieht sich zu, wenn Tier durchläuft)
3. Platzierung:
• Auf Wildwechsel (erkennbar an niedergetretenem Gras, Tierspuren, Kot)
• Schlinge auf Höhe des Tierkopfes (Hase = 10cm über dem Boden)
• An Baum/Pfahl befestigen
4. Funktion: Ein Tier läuft mit dem Kopf durch die Schlinge → die Schlinge zieht sich zu → das Tier wird stranguliert (Tod in Minuten)
5. Problem: Das Tier leidet extrem (langsamer Tod) – ethisch sehr fragwürdig!

Typ 2 – Fallgrube (für größere Tiere):
1. Grube: Ein Loch graben (1m tief, 50cm breit), auf Wildwechsel
2. Spieße: Angespitzte Stöcke in den Boden rammen (die Spitzen nach oben)
3. Tarnung: Dünne Äste über die Grube legen, Laub/Gras drauf (sieht aus wie ein normaler Waldboden)
4. Funktion: Das Tier tritt drauf → fällt rein → Spieße durchbohren den Körper
5. Realität: Der Bau dauert Stunden, die Erfolgsrate ist niedrig (Tiere riechen die Gefahr)

Typ 3 – Todschlagfalle (am effektivsten):
1. Prinzip: Ein schwerer Stein/Ast fällt auf das Tier → Tod durch den Schlag
2. Trigger: Die Stöckchen-Konstruktion (Dreiecks-Form), Köder dran fixieren
3. Funktion: Das Tier zieht am Köder → der Trigger kippt → das Gewicht fällt
4. Vorteil: Sofortiger Tod (humaner als die Schlinge)
5. Nachteil: Komplexe Konstruktion (Trigger muss perfekt balanciert sein)

Köder:
• Fleisch (für Raubtiere – Fuchs, Marder)
• Beeren, Nüsse (für Nagetiere – Maus, Eichhörnchen)
• Gemüse (für Kaninchen)

Ethik & Praxis:
• Fallen täglich kontrollieren (Das Tier soll nicht leiden)
• Die Fallen außer Betrieb nehmen, wenn du das Gebiet verlässt
• Nicht mehr Fallen als nötig aufbauen (Überjagung zerstört Ökosystem)

Häufige Fehler ❌ Mit Messer hacken/hebeln (Klinge bricht – Messer sind zum Schneiden!)
❌ Grünes Holz für Werkzeuge (biegsam, splittert – nur totes Hartholz nutzen)
❌ Werkzeuge nicht härten (weiche Spitzen brechen sofort ab)
❌ Zu viel Zeit in Waffenbau (Priorität: Shelter, Feuer, Wasser, dann Werkzeuge)
❌ Fallen im Lager aufstellen (du könntest selbst reintappen!)
❌ Speer werfen ohne Übung (verschwendet Energie + Waffe weg)
❌ Stein-Werkzeuge ohne Griff nutzen (Schnittverletzungen an eigener Hand)
❌ Bogen bauen ohne Erfahrung (Zeitverschwendung – besser Fallen)
⚠️ SICHERHEIT:
• Waffen/Werkzeuge sind GEFÄHRLICH – auch für dich! Mehr Survival-Verletzungen durch eigene Werkzeuge als durch Tiere
• Messer/Äxte: Immer vom Körper weg schneiden (nicht zu dir hin)
• Spitze Werkzeuge: Beim Transport Spitze nach unten (beim Fallen nicht aufspießen)
• Feuerstein-Splitter: Schärfer als ein Skalpell – Handschuhe tragen (oder Stoff um die Hand wickeln)
• Fallen: Markieren (damit du selbst nicht reinläufst in der Dunkelheit)
💡 Profi-Tipp: Investiere in ein hochwertiges Bushcraft-Messer (Full-Tang, 4mm Klingenstärke, Carbonstahl). Marken: Morakniv (30€), Condor (50€), Wolfgangs (70€), Fällkniven (150€). Ein gutes Messer ersetzt 90% der improvisierten Werkzeuge und hält Jahrzehnte. Dazu: ein Schleifstein (20€) – eine stumpfe Klinge ist gefährlicher als eine scharfe.
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